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„Dürfen Behinderte Kinder kriegen?“

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Diese Diskussion wird in ähnlicher Form und von unterschiedlichen Menschen mit ganz verschiedenen Argumenten geführt. Nicht zuletzt durch die Geschichte der Behinderung bzw. des Umgangs mit Beeinträchtigungen hat die Diskussion immer den Duft der Euthanasie und kaum jemand ist nicht darum besorgt, etwas wie „unwertes Leben“ auch nur zu denken. Es ist gut, richtig und auch notwendig, sich dieser Geschichte bewusst zu sein und die daraus entstandene Verantwortung nach wie vor zu tragen.

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Auch die Betroffenen selbst leben – bewusst oder unbewusst – mit dieser Geschichte, nicht zuletzt jene, die schon zur älteren Generation zählen. Und so kommt es dann dazu, dass zwei sich im Gespräch unsicher sind: darf die das? Was passiert mit dem Kind? Wer verbietet das? Wer achtet auf das Kind? Wenn das Kind weggenommen wird, darf die Mutter das Kind sehen? Ist das Kind gesund oder krank?
Da viele Betreuer*innen in diesen Fragen unsicher sind, hier also eine kurze Zusammenfassung.

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Österreich hat die UN-Konvention der Rechte von Menschen mit Behinderung 2008 ratifiziert und sich so verpflichtet, die Inhalte der Konvention umzusetzen. Darin ist geregelt, welche Rechte Menschen mit Behinderung in Zusammenhang mit ihrem Wohnort, der Arbeit und des Privatlebens haben.
In der Konvention ist klar festgehalten: Menschen mit Behinderung haben das Recht auf Familie, Familiengründung, auf Kinder, Partnerschaft und angemessene Unterstützung durch die jeweiligen Einrichtungen. Da hierzu auch die Familienplanung gehört, haben die Menschen auch das Recht auf selbst gewählte Verhütungsmaßnahmen und die dazu gehörenden Informationen.
Da es sich hier um international verbindliches Recht handelt, ist es auch einklagbar falls den Betroffenen das Recht vorenthalten wird. Glücklicherweise werden viele Betreuer*innen im Lauf ihrer Ausbildung oder in den jeweiligen Arbeitsstätten mit der Konvention konfrontiert.

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Den gesamten Text kann man auf der Webseite des Sozialministeriums abrufen.
Hier auch in leichter Sprache.

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Zyklus – das weibliche Geheimnis

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Die Fragen rund um den Zyklus sind eine zuverlässige Quelle für Verwirrungen. Sie sind zuverlässig in jedem sexualpädagogischen Workshop und in einem großen Teil der Sexualberatungen Thema. Grundlage für diese Unsicherheiten sind nicht nur mangelndes  Wissen (das häufig einfach nur zu kompliziert vermittelt wird), sondern auch und ganz besonders mangelnde Aufzeichnungen. Früher führten  Frauen einen Zykluskalender im Rahmen ihrer üblichen Dokumentation, zB in ihrem Jahreskalender. Frauenärzte und -ärztinnen verteilen auch heute noch kleine Zykluskalender zum Mitnehmen.

Inzwischen aber haben sehr viele Frauen Smartphones, vor allem das Betriebssystem Android ist ein wachsender Markt. Zyklus-Apps gibt’s zuhauf, die allermeisten davon übrigens kostenlos.

Ich hatte die Möglichkeit, drei Apps zu testen. Alle haben ihre Stärken und Schwächen.

 

1. Woman Log

Man hat am Startbildschirm (übrigens ist das bei allen Apps, die ich getestet hab, identisch) die Übersicht, einen Kalender. Frau hat die Option, zwischen Wochen- und Monatsüberblick zu wählen. Die roten Kästchen bedeuten: dort hatte ich meine Periode. Die Blüte heißt: fruchtbarer Tag. Die Blume bedeutet: wahrscheinlich ist da der Eisprung. Die gestrichelten Kästchen bedeuten, dass man an diesen Tagen wahrscheinlich die Periode hat. Die Männchen und Zeichen in den Kästchen sind Informationen, die man eingegeben hat: Symptome wie zB Blähungen, Fieber, Frösteln, PMS usw., das Herzchen bedeutet Sex (inzwischen kann man auch eintragen, wie oft man an diesem Tag Sex hatte). Außerdem kann man die Basistemperatur eintragen und das Gewicht. Es gibt eine Übersicht als Verlauf: wie entwickelt sich das Gewicht/die Temperatur im Monat? Bei Woman Log hat man 3 oder 4 kostenlose Themen (rot, blau, grün) zur Auswahl, andere Themen kann man kaufen. Es gibt auch Woman Log Pro, kostet ein paar Euro. Außerdem bietet Woman Log einen Schwangerschaftskalender an.

 

2. My days

Wie man sieht, ähnelt sich das sehr. Das Design ist reduziert, die Farben sind unten erklärt. Ich glaube aber, dass man da keine Übersicht über das Gewicht, die Temperatur usw. hat.
3. Sympto

Die symptothermale Methode ist sehr aufwändig, aber auch sehr zuverlässig. Es gibt dafür ein App, das kostenlos zur Verfügung gestellt wird. Hinter der Methode steht eine Schweizer Stiftung, die sich zum Ziel gesetzt hat, Mädchen und Frauen Verhütung ohne Chemie zu ermöglichen. Zu diesem Zweck wurden Studien durchgeführt, die die Methode bestätigen. Wie gesagt, die Methode selbst ist äußerst aufwändig, und man braucht Disziplin wie einen  Bissen Brot. Jeden Tag ist die Basistemperatur (in der Scheide) zu messen, der Cervixschleim ist zu begutachten. Wenn man jedoch die erste Zeit sehr konsequent war, hat man danach einen guten Einblick ist die Funktionen seines Körpers und des Eisprungs. Ich denke, die symptothermale Methode ist eine gute Möglichkeit, Körperbewusstsein zu üben.

Es gibt eine ganze Menge toller, kostenloser  Apps für Android und auch für das iPhone! Jede Frau kann selbst ausprobieren, welche App für sie die beste ist.

 

Was grundsätzlich noch zu sagen ist: der Zyklus selbst folgt Regeln. Diese Regeln jedoch sind bei jeder Frau ein bisschen anders.

Ein schöner Überblick über den Zyklus gibt diese Grafik:

Ich kann nur jeder Frau raten, sich eine Zeitlang mit ihrem Körper zu beschäftigen, es muss ja nicht das einzige Thema sein. Aber seinen Eisprung zu spüren, auf seine Reaktionen zu achten und entsprechend reagieren zu können, das hat schon eine besondere Qualität.