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Beziehungsstatus: selbstständig

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Die Vision, dass Beziehungen perfekt sind oder zumindest sein sollten, begleitet uns von früher Kindheit an. Nicht nur, dass wir unsere Eltern und all jene Menschen, die in unserer nächsten Umgebung unser Heranwachsen begleiten, als Vorbilder akzeptieren und von ihnen die Formen und Normen, wie Beziehungen funktionieren, erlernen. Nein, zusätzliche Prägung erfahren wir durch alle Formen der medialen Darstellung von (vermeintlich) glücklichen Beziehungen: durch Lieder (alte Schlager und neue Chartbreaker), Filme (Klassiker und moderne Märchen; die sogenannten „RomComs“ sind ein wichtiger Geschäftszweig), Bücher (vom „jungen Werther“ bis „Twilight“) – sie alle propagieren die eine, die wahre, die einzige und ewige Liebe. Die, die ohne Schwierigkeiten ist, sobald sie begonnen hat. Sobald die (zwei!) Menschen den Weg zueinander gefunden haben, sind die Probleme vorbei. Deswegen bestehen die meisten Drehbücher und Romantexte auch aus dem Weg zur Liebe und nicht aus dem, was danach kommt. Und das nehmen wir mit. Wir suchen und nehmen so vieles auf uns, um zu finden, was uns versprochen wurde: Schmähungen und Rückschläge. Komplimente von Menschen, die uns nicht interessieren und dabei nehmen wir auch in Kauf, dass wir uns für Menschen interessieren, mit denen wir nichts gemeinsam haben. Weil wir auf der Suche sind.

Irgendwann begegnen wir dann einer Person, die das Herz hüpfen lässt, die Schmetterlinge im Bauch tanzen und die Hormone spielen verrückt. Nachdem die erste Phase der Verliebtheit vorbei ist (Studien zufolge ist es nach spätestens einem Jahr soweit), überprüfen wir den Partner/die Partnerin auf ihre Beziehungsfähigkeit. Und in Wahrheit beginnt erst dann der Kampf. Im weiteren Verlauf einer Verbindung werden wir mit unseren Erwartungen und den Wunden unserer Vergangenheit konfrontiert und zusätzlich auch mit jenen des Partners/der Partnerin. Diese Konfrontation führt zu Missverständnissen und Kränkungen, diese wiederum zu Streit, mitunter ohne Ausweg und dann vielleicht oder sogar wahrscheinlich zu einer Trennung.

Quelle: testedich.at

wir geben gerne anderen die Schuld

In unserer anerzogenen Eigenschaft, Beziehungen nur dann als glücklich oder funktionierend zu betrachten, wenn sie konfliktfrei verlaufen bzw. sehr bald ein konstruktiver Kompromiss gefunden wird, beginnen wir in einer ernsthaften Auseinandersetzung allzu leicht, an der Beziehung und der Tragfähigkeit dieser Liebe zu zweifeln. Unter anderem entsteht ein schlechtes Gewissen, wenn wir nein sagen. „Nein, ich will das nicht.“ „Ich möchte alleine sein.“ „Ich möchte nicht zusammenziehen/heiraten/Kinder bekommen.“

Um die Beziehung zur geliebten Person aufrecht erhalten zu können, müssen wir uns fragen: ist es tatsächlich ein Zeichen für mangelnde Liebe, wenn wir mal nein sagen? Oder wenn wir nicht die gleichen Ziele verfolgen? Und im Endeffekt bleibt die Frage: und wenn kein Kompromiss gefunden wird, können wir dann zusammenbleiben? Sind wir noch ein Paar, wenn er/sie/ich allein sein/(nicht) zusammenziehen/heiraten/Kinder möchte? Diese eine Frage begegnet uns, auf die eine oder andere Weise, in jeder Beziehung. Und das ist nicht nur natürlich, es ist sogar notwendig. Wir sind eigenständige Menschen – bis wir eine Beziehung eingehen!? Was wie Sarkasmus klingt, ist die blanke Realität. Wir vergessen gerne, dass wir Charaktere sind, die ohne diese eine Beziehung existiert und gelebt haben und auch, dass wir zuvor ebenfalls glücklich waren, nicht erst, als wir diese eine, diese besondere Person trafen. Und auch, wenn wir nun Teil eines gemeinsamen Lebens sind, bedeutet das nicht, dass wir nicht mehr wir selbst sind: mit unseren Eigenheiten, Stärken, Schwächen und mit unseren Grenzen! Diese Charaktereigenschaften haben uns zu dem Menschen gemacht, der von unserem Gegenüber geliebt wird. Warum sie also aufgeben? Weil wir, wie schon mehrmals erwähnt, erwarten und hoffen, dass diese eine, diese ewige und einzig wahre Liebe unser Lebensglück beinhaltet und wir deswegen, auch weil wir auf dem Weg dorthin oft schon Entbehrungen auf uns genommen haben, bereit sind, auf vieles zu verzichten: wir verlieren uns in Beziehungen. Das geschieht vielen Menschen, die meisten bekommen es erst mit, wenn sie es nicht ohne große Schnitte rückgängig machen könnten – der Zeitpunkt, an dem die Liebe in die Brüche geht.

Was also tun? Es klingt einfach, ist aber schwierig: sei du selbst. Bleib du selbst. Steh zu dir. Du bist super, wie du bist. Und wenn du dich veränderst, so geschieht das durch dich und nicht durch deine/n PartnerIn! Wir haben Angst, vor Verlust und vor Verletzungen. Dass die Wahrscheinlichkeit, verletzt zu werden und jemanden zu verlieren, größer ist, wenn wir nicht selbst sind, vergessen wir gerne.

Und falls es endet, gibt es doch einen wichtigen Hoffnungsschimmer: die nächste Beziehung kommt bestimmt. Und damit eine neue Chance, wir selbst zu sein.

Weiterlesen:

Phasen der Partnerschaft – focus.de
Wenn aus Leidenschaft Liebe wird – welt.de