Schlagwort-Archive: Feministin

Frauentag

Standard

Ich wurde schon oft in meinem Leben gefragt, ob ich Feministin bin. Früher dachte ich immer: nein, es ist doch alles gut wie es ist. Dann wurde ich auf die Genderdebatte aufmerksam und wieder dachte ich: es passt doch alles, was soll der Aufstand?

 

1293383161165

 

Im Lauf der Jahre wurde ich dann gar nicht mehr gefragt, sondern immer wieder sagten einige: du bist Feministin und ich sagte: ah ja? Wie kommst du darauf? Und dann wurde erwidert, dass ich ja der Prototyp einer Frau sei, die für ihre Rechte kämpft und mein Grundsatz war tatsächlich immer: was soll das Geheule, einfach auf die Hinterhaxen stellen und kämpfen. Einfach tun, was man selbst will.

 

So ähnlich lief das bei mir auch mit dem „Gendern“, also das Binnen-I anzuwenden. Nur war ich damals nicht mal 20. Es gab einen jungen Mann in der Jugendorganisation, für die ich damals aktiv war und obwohl wir uns nicht gut kannten und er auch schon viel zu früh starb, hat er mich massiv beeinflusst. Er hieß Gregor und die, die ihn kennen, wissen, dass wahr ist, was ich jetzt schreibe: Gregor war ein toller Kerl und eine echte Zukunftshoffnung. Er ging viel zu früh. Auf seinem Begräbnis waren 300 Leute … jedenfalls hat dieser Mann mich in vielen Gesprächen schlussendlich davon überzeugt, dass Gendern nicht nur ok ist, sondern wichtig. Und weil er sich so viel Zeit genommen hat und so viel Geduld hatte, mit mir sturem Menschen zu diskutieren, deswegen gendere ich heute gerne und hab das Konzept im Lauf der Zeit auch erweitert.

feminismus_symbol_postkarten-rc456a87e47c94b379b37d8d4a4c40bd8_vgbaq_8byvr_512

Inzwischen stört mich ein großes I sogar, ich finde es ignorant und dass es nicht weit genug geht. Ich schreibe Sternchen und dann in oder innen oder so. Und was dazu gekommen ist, womit wir wieder beim Frauentag wären: mir persönlich hat das Gendern wirklich geholfen, Frauen anders wahrzunehmen und auch die bestehende Diskriminierung, die in so vielen Bereichen durch unfassbar viele Studien und Untersuchungen festgestellt und bewiesen wurde. Ich bestreite heute, nach so vielen Jahren der Reflexionen, der Diskussionen und der Auseinandersetzungen nicht mehr, dass Frauendiskriminierung Alltag ist. Ich bestreite nicht mehr, dass das zweigeschlechtliche Normativ genauso schädlich ist wie die durch Heteronormativität begünstigte Homophobie.

10922

Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter: jede Person, der auffällt, dass etwas schief läuft, die MUSS sich rühren, die MUSS was ändern, die MUSS dagegen arbeiten. Keiner kann alleine eine Revolution starten, glaubt man jedenfalls. Aber was ich leisten kann, das leiste ich und ich gebe weiter, was ich denke und setze damit einen Samen in eine Erde, die vielleicht nicht fruchtbar ist, noch nicht jedenfalls, und sie wird weiter gegossen, von mir und anderen und dann steht da irgendwann ein Baum oder eine Blume und mit der Zeit haben wir eine wunderschöne Wiese, einen stabilen Wald vielleicht. Und natürlich gibt es Wilderer und Umweltzerstörer. Aber wenn immer wieder neue Samen, neue Pflanzen nachkommen, dann übersteht der Wald vielleicht auch noch andere Angriffe.

 

FSE002

 

In diesem Sinn: schönen Internationalen Frauentag euch allen!

 

Frauentag_1914_Heraus_mit_dem_Frauenwahlrecht