Begehren und Beziehung

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 Schon länger kommen Menschen auf mich zu und fragen, ob es okay ist, jemand anderen zu begehren, wenn man in einer festen Beziehung steckt. Und natürlich auch die Frage: ist Sex mit jemand anderem als mit dem eigenen Partner/der eigenen Partnerin okay? Ändert die Dauer der Beziehung oder die derzeitige Beziehungssituation etwas an der Berechtigung dieser Gefühle oder Taten? Oder anders: ist man ein Beziehungsschwein, wenn man mit jemand anderem ins Bett geht? Sich in jemand anderen verliebt? Sich womöglich auch nicht entscheiden kann oder möchte?

Dreiecksbeziehungen, und seien sie auch „nur“ emotional, aber nicht in Taten, vorhanden, beschäftigen die Menschheit schon lange. Sogar in der Kunst und in der häufigsten Kunstform der Gegenwart – der Werbung – ist das Begehren von mehr als nur einem Menschen ein wichtiges Thema, über das es viele Auseinandersetzungsformen gibt. Ganz aktuell: der Römerquelle-Spot, bei dem zwei Frauen, ein Zimmerjunge und eine Flasche Mineralwasser eine aufregende Menage eingehen. Ganze Romane wurden über die Konsequenzen von Dreiecksbeziehungen verfasst, verfilmt und dann neu betrachtet, ebenfalls ziemlich aktuell: Anna Karenina mit Keira Knightley.

Schon seit 1974 macht Römerquelle mit dem Thema "Menage à trois" Werbung für ihr Wasser

Schon seit 1974 macht Römerquelle mit dem Thema „Menage à trois“ Werbung für ihr Wasser

Alle Werbungen von Römerquelle hier: http://derstandard.at/1148052?_slideNumber=1&_seite=

Es ist also gar keine neue Frage. Aber die Antworten haben sich im Lauf der Jahre massiv verändert und wenn man aktuellen Jugendstudien glauben darf, ist Fremdgehen das größte Verbrechen an einer Beziehung und das sind immerhin die Erwachsenen von morgen.

Ich will hier gar nicht versuchen, die Gründe von Treue und Untreue, den Wunsch nach Monogamie oder ähnliches zu erklären, das wurde und wird, ausreichend und vielfach erklärt. Demnach ist der Mensch biologisch gesehen zur Treue nicht wirklich gemacht, denn das Begehren selbst sei ja eine Form der „Natur“, menschliche Gene auf angenehme Weise zu verbreiten und in diesem Hormonrausch hätten „moralische“ Bedenken nun mal keinen Platz, weshalb es total unlogisch sei, sich Monogamie auch nur zu wünschen, denn die ist ja demzufolge „widernatürlich“. Das ist ein sehr ausgereiztes Feld, es gibt Dutzende, hunderte Artikel darüber und die Meinungen gehen so weit auseinander, wie es in solch einem ideologisch aufgeheizten Feld möglich ist.

Sich hingegen mit den Selbstzweifeln und den Ängsten zu beschäftigen, das ist viel wesentlicher in unserem Alltag. Dass Menschen selten nur eine einzige Person begehren, hat wohl jede/r schon mal erlebt. Dass man hingegen nur eine Person wirklich hingebungsvoll liebt und nur für eine „durch’s Feuer“ geht, das vermutlich auch. Trotzdem: warum decken sich diese beiden Pfade so selten? Warum kann man nicht nur eine/n lieben und daher auch nur eine/n begehren? Fakt ist: ich weiß es nicht. Niemand weiß es. Es gibt Theorien. Eine davon, und das ist die naheliegendste, ohne sich auf einen Fachstreit einzulassen, ist die: eine längerfristige Beziehung erlebt nicht nur Hochs, sondern auch eine ganze Menge an Tiefs. Begehren hat etwas mit Hochs zu tun, nicht mit dem Alltag, sondern mit einer Art rauschhaftem Zustand, in dem die Hormone verrückt spielen, der Fokus weggeht von den Problemen und Gedanken, die man so den ganzen Tag mit sich rumschleppt hin zu nur einem Ziel: diese Person so nahe wie möglich an sich zu spüren und alles zu tun, was einem gerade einfällt, ganz ohne kognitive Beschäftigung, einfach nur Sein, nur Spüren – im Jetzt sein. Beziehungen sind höchst selten im Jetzt – ganz zu Beginn nämlich und da ist das Begehren auch naturgemäß am Stärksten. Sobald es um die Zukunft geht, ist der Kopf ganz voll von Plänen, Wünschen, Träumen und man versucht, die eigenen Visionen mit denen des Gegenübers auf einen Nenner zu bringen. Und nach einiger Zeit, in der es zuerst ums Jetzt und dann ums Morgen und dann plötzlich um in einem Jahr ging, geht es plötzlich ums Gestern und um letzte Woche, als … – das sind die Momente, wo Begehren schwierig wird, wo man es sich vielleicht sogar „erarbeiten“ muss, weiter zusammen zu sein. Und wenn man in genau so einem fragilen Moment jemanden trifft, der einen „Schalter“ an einem selbst kennt oder spürt – wer war da nicht schon mal kurz davor oder sogar mittendrin, schwach zu werden? Oder stark zu sein und zu tun, sich zu holen, was man so sehr vermisst hat.

Jetzt ist es also passiert und nun: ist man der Täter/die Täterin, denn auch das ist gesellschaftlich ziemlich klar verteilt: der, der fremd geht, ist schuld, wenn die Beziehung nun zerbricht. Doch, was, wenn es dieses Täter-Opfer-Schema gar nicht geben müsste? Wenn es einfach Teil der Geschichte dieser Menschen ist, diese Dinge zu tun und wenn es nicht hilft, sie als Fehler zu betrachten, sonder vielmehr als Anlass, um nachzudenken. Vielleicht auch, um die Beziehung tatsächlich in Frage zu stellen. Denn daran gibt es kaum Zweifel: es hat etwas mit der Beziehung (die ja auch eine sexuelle Beziehung ist oder sein sollte, jedenfalls gehört das zur Vision einer Beziehung: ich begehre dich für immer) zu tun, wenn jemand anderer plötzlich so viel interessanter ist.

Und wenn nun jemand bis hierher gekommen ist und sich denkt: was will die sagen? Dann ist die Antwort: Schuldgefühle bringen niemandem etwas. Kurzschlussreaktionen à la „ich bin fremdgegangen, deswegen verlasse ich dich jetzt“ können verdammt weh tun und man hat nichts mitgenommen. Die Antwort lautet: mach dich doch nicht fertig. Wir sind Menschen und ich glaube, ein Mensch zu sein, kann ein erstrebenswerter Zustand sein. Menschen, die die Wahl haben, machen Fehler. Und sich zu verteufeln oder sich verteufeln zu lassen, bringt niemanden weiter. Reflexion ist also angesagt: warum ist mir das passiert? Ist es „passiert“ oder wollte ich es so? Und wieso wollte ich es so? Diese Reflexion alleine anzugehen, ist für manche Menschen sehr schwierig, deswegen zwei Vorschläge:

1. Einfach einen Therapeuten/Berater aufsuchen. Auf die soeben gestellten Fragen, also vor allem die Frage nach der Motivation, dem Auslöser, findet man innerhalb von 3, 4 Sitzungen eine Antwort. Was man mit der Erkenntnis macht, ist dann etwas anderes und könnte zum Beispiel darin münden, eine/n Paartherapeut*in aufzusuchen.

2. Es gibt Bücher zum Thema. Jemand, der sehr unaufgeregt schreibt und lebenspraktische Hinweise gibt, ist Ulrich Clement, der schon mit „Guter Sex trotz Liebe“ Aufsehen erregt hat und mit „Wenn Liebe fremd geht“ zum Thema nachlegt. Mittels „Ausschlussverfahren“ und eben einer Art angeleiteter Reflexion sollte man schnell einen Hinweis finden. Dann kommt dann evtl doch wieder Vorschlag Nr. 1 in Betracht.

Noch zur Frage „Gestehen oder nicht?“, die ebenfalls ganz häufig Thema ist: das muss jede/r für sich entscheiden. Die Grundregel ist: bringt es der Beziehung etwas, wenn man beichtet? Oder entlastet es bloß das eigene Gewissen und die Beziehung nimmt Schaden, ohne dass man das wollte? Auch darüber kann man sich mit einer anderen Person gut unterhalten.

„DAS machen?“ – Buchrezension

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Als vor einigen Wochen die Broschüre „Ganz schön intim“ plötzlich in die Schlagzeilen geriet, ist das Buch „DAS machen?“, das sich direkt an Kinder richtet, leider etwas untergegangen. Ich wurde zufällig im Internet darauf aufmerksam und mir wurde das Buch dankenswerterweise vom Verlag zur Verfügung gestellt – dafür herzlichen Dank.

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Im Gegensatz zur sogenannten Broschüre ist das Buch für Kinder gemacht, um die Bilderwelten und die Fragen in einen Rahmen zu legen, der für Kinder verständlich ist. Wenn man denkt, dass Kinder die Fragen erst stellen, wenn sie mit dem Inhalt konfrontiert werden (also zum Beispiel denken manche Menschen, man bringt Kinder auf diese „Ideen“ und nicht, dass Kinder das von alleine merken und dann Fragen zu stellen beginnen), liegt man falsch. Kinder sehen, dass Erwachsene Dinge tun, die sie nicht tun und dazu haben sie Fragen und das ist nicht nur „normal“, wie man heute sagt, um Menschen zu beruhigen, sondern auch echt toll. Wir alle lernen (unser ganzes Leben) durch Fragen und dadurch, dass wir Dinge verstehen lernen, die wir verstehen wollen. Und weil Sexualität mit den Kindern etwas direkt zu tun hat (sie kennen dieses kribbelige Gefühl zwischen den Beinen schon von ganz jungen Jahren an), wollen sie es verstehen. Und sie wollen verstehen, warum sie manche Menschen toller finden als andere, warum sie sie berühren möchten und warum sie träumen,sie zu heiraten oder oder oder. Und natürlich: Mutter, Vater, Kind zu spielen ist nicht einfach ein Rollenspiel. Es ist auch: das mache ich später mal. Und dazu gibt es Fragen, ganz klar.

Nun zum Buch: es ist groß! 25 mal 30 cm, hätte ich geschätzt. Es ist bunt und hat dicke Seiten. Beschrieben werden die Fragen in einem Projekt – die Autorinnen erklären das selbst auf ihrer Webseite und natürlich wird alles in eine Geschichte gegeben: Es wird angenommen, es findet eine Projektwoche statt, in einer vierten Klasse Volksschule (die Schüler_innen sind da ca. 10 Jahre alt) und die Lehrerin erklärt viele Dinge zum Thema Sex und Verliebtsein. Der Hauptimpuls aber, und da sind wir wieder bei der Einleitung, kommt von den Schülerinnen und Schülern. Sie haben schon Fragen und Gedanken und Wünsche und Sehnsüchte mitgebracht und die wollen sie verstehen und verstanden wissen.

Themen aus dem Buch sind:

  • Worte finden, Worte verstehen
  • Mythen aufklären, Umstände verstehen
  • Verliebtheit, Liebe
  • Beziehungsalltag
  • Kinder bekommen
  • Sex, sexuelle  Gefühle
  • Schamgefühl, Grenzen

und so weiter

Von mir gibt es eine klare Empfehlung – Eltern wissen, dass ihre Kinder Fragen haben, wissen aber oft nicht, welche. Und Kinder mit 10 Jahren haben schon einen sehr genauen Eindruck davon, wie persönlich dieses  Thema ist, sie werden also vielleicht nicht von alleine kommen. Dieses Buch kann einen wunderbaren Eindruck liefern, was gerade aktuell ist und den Kindern auch die Möglichkeit geben, selbst etwas nachzudenken.

Es gibt übrigens auch ein Video, in dem man das Buch genauer sieht.

Und, für Pädagogen und Pädagoginnen wichtig: das Buch kann ein guter Einstieg sein, um dann ganz konkret zu arbeiten, es gibt Materialien online.

Ich wünsche allen, die es in Händen halten, viel Freude mit dem Buch und natürlich schöne Feiertage!

Zyklus – das weibliche Geheimnis

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Die Fragen rund um den Zyklus sind eine zuverlässige Quelle für Verwirrungen. Sie sind zuverlässig in jedem sexualpädagogischen Workshop und in einem großen Teil der Sexualberatungen Thema. Grundlage für diese Unsicherheiten sind nicht nur mangelndes  Wissen (das häufig einfach nur zu kompliziert vermittelt wird), sondern auch und ganz besonders mangelnde Aufzeichnungen. Früher führten  Frauen einen Zykluskalender im Rahmen ihrer üblichen Dokumentation, zB in ihrem Jahreskalender. Frauenärzte und -ärztinnen verteilen auch heute noch kleine Zykluskalender zum Mitnehmen.

Inzwischen aber haben sehr viele Frauen Smartphones, vor allem das Betriebssystem Android ist ein wachsender Markt. Zyklus-Apps gibt’s zuhauf, die allermeisten davon übrigens kostenlos.

Ich hatte die Möglichkeit, drei Apps zu testen. Alle haben ihre Stärken und Schwächen.

 

1. Woman Log

Man hat am Startbildschirm (übrigens ist das bei allen Apps, die ich getestet hab, identisch) die Übersicht, einen Kalender. Frau hat die Option, zwischen Wochen- und Monatsüberblick zu wählen. Die roten Kästchen bedeuten: dort hatte ich meine Periode. Die Blüte heißt: fruchtbarer Tag. Die Blume bedeutet: wahrscheinlich ist da der Eisprung. Die gestrichelten Kästchen bedeuten, dass man an diesen Tagen wahrscheinlich die Periode hat. Die Männchen und Zeichen in den Kästchen sind Informationen, die man eingegeben hat: Symptome wie zB Blähungen, Fieber, Frösteln, PMS usw., das Herzchen bedeutet Sex (inzwischen kann man auch eintragen, wie oft man an diesem Tag Sex hatte). Außerdem kann man die Basistemperatur eintragen und das Gewicht. Es gibt eine Übersicht als Verlauf: wie entwickelt sich das Gewicht/die Temperatur im Monat? Bei Woman Log hat man 3 oder 4 kostenlose Themen (rot, blau, grün) zur Auswahl, andere Themen kann man kaufen. Es gibt auch Woman Log Pro, kostet ein paar Euro. Außerdem bietet Woman Log einen Schwangerschaftskalender an.

 

2. My days

Wie man sieht, ähnelt sich das sehr. Das Design ist reduziert, die Farben sind unten erklärt. Ich glaube aber, dass man da keine Übersicht über das Gewicht, die Temperatur usw. hat.
3. Sympto

Die symptothermale Methode ist sehr aufwändig, aber auch sehr zuverlässig. Es gibt dafür ein App, das kostenlos zur Verfügung gestellt wird. Hinter der Methode steht eine Schweizer Stiftung, die sich zum Ziel gesetzt hat, Mädchen und Frauen Verhütung ohne Chemie zu ermöglichen. Zu diesem Zweck wurden Studien durchgeführt, die die Methode bestätigen. Wie gesagt, die Methode selbst ist äußerst aufwändig, und man braucht Disziplin wie einen  Bissen Brot. Jeden Tag ist die Basistemperatur (in der Scheide) zu messen, der Cervixschleim ist zu begutachten. Wenn man jedoch die erste Zeit sehr konsequent war, hat man danach einen guten Einblick ist die Funktionen seines Körpers und des Eisprungs. Ich denke, die symptothermale Methode ist eine gute Möglichkeit, Körperbewusstsein zu üben.

Es gibt eine ganze Menge toller, kostenloser  Apps für Android und auch für das iPhone! Jede Frau kann selbst ausprobieren, welche App für sie die beste ist.

 

Was grundsätzlich noch zu sagen ist: der Zyklus selbst folgt Regeln. Diese Regeln jedoch sind bei jeder Frau ein bisschen anders.

Ein schöner Überblick über den Zyklus gibt diese Grafik:

Ich kann nur jeder Frau raten, sich eine Zeitlang mit ihrem Körper zu beschäftigen, es muss ja nicht das einzige Thema sein. Aber seinen Eisprung zu spüren, auf seine Reaktionen zu achten und entsprechend reagieren zu können, das hat schon eine besondere Qualität.

Libido: verboten?

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Letztens in einer privaten Runde: beim Bundesheer wurde den zwangsverpflichteten Männern ein libidosenkendes bzw. -verhinderndes Mittel verabreicht. Durch einige kurze Recherchen fand ich soeben heraus, dass diese Geschichte als Mythos gilt. Jedenfalls hat sich das Gerücht bei vielen Männern durchgesetzt (es wurde mir von unterschiedlichen Seiten berichtet). Als ich vor einigen Monaten davon erstmals hörte, war die Reaktion eindeutig: allgemeine Empörung. Diesmal jedoch: ob es nicht eher praktisch ist (wäre), wenn man diese Gefühle im Moment (6-Bett-Zimmer: keine Privatsphäre und evtl. kein/e Freund/in zu Hause) eh nicht brauchen kann?

Bundesheer in Österreich

Auf der anderen Seite stand das Argument, dass die Libido in ihrer speziellen Ausprägungsform Teil der menschlichen Natur ist und diese zu beschneiden (vor allem womöglich ohne gesonderte Aufklärung?) gegen die Grundrechte (Unversehrtheit der Person), also gegen die Verfassung verstößt.

Und: diverse Medikamente gegen Bluthochdruck, Depressionen oder Schizophrenie haben als häufige Nebenwirkung Erektions-, Ejakulations- und Libidostörungen. Fast alle Menschen, die diese Medikamente einnehmen (müssen), um ihr gesundheitliches Wohl abzusichern, haben schon von dieser Wirkung gehört. Werden Sie aber von ihren Ärzten und Ärztinnen speziell danach gefragt?  Ich bin mir da leider nicht so sicher. Ich habe das selbst schon einige Male als Begleiterin erlebt. Wenn man die Symptome nicht von selbst anspricht, wird man nicht fokussiert gefragt. Das hat sicher mehrere Gründe. Ein Grund, warum Patienten diese Nebenwirkung nicht ansprechen, ist, weil sie nicht denken, dass es etwas mit dem Medikament zu tun haben könnte. Und natürlich sind sie auch beschämt deshalb.

Also alles in allem bleibt die Frage, die einer Diskussion würdig ist: steht einem die Libido manchmal im Weg? Gibt es Situationen, in denen geil zu sein, unangenehm wäre (jetzt mal von Warteschlangen im Supermarkt abgesehen) – ich meine längerfristige Situationen wie eben Erkrankungen, Bundesheer – und Gefängnisaufenthalte?

Und wenn das gerechtfertigt ist:gilt es dann auch für andere Situationen, in welchen das Thema Geilheit (also Sexualität grundsätzlich) nicht angebracht oder passend scheint? Ich spreche da vor allem alle anderen institutionalisierten Wohnformen an – besonders jene, die auf längere oder unbefristete Dauer angelegt sind: Wohngemeinschaften (mit Betreuung), Heime, Seniorenwohnhäuser, Kinderheime und eben auch Gefängnisse und Psychiatrien. Gibt es besondere Zielgruppen?

Ich saß vor einigen Monaten in einem Gespräch in kleiner Runde, es ging um symbolische Kommunikation. Den Klienten und Klientinnen sollte die Hausordnung über die Kombination eines Bildes und kurzen  Sätzen (2 – 4 Worte) näher gebracht werden. Gegen Ende der Liste fand sich ein Quadrat, in welchem man zwei symbolisierte Menschen sah, die Sex miteinander hatten: es war durchgestrichen und daben stand: Sex bitte nur im Zimmer.

Sex und Gesellschaft

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Es ist ein altes Thema, vielleicht sogar ein leidiges, trotzdem ist es brandaktuell: was ist richtig oder falsch im Bezug auf sexuelles Verhalten? Damit gemeint sind nicht Dinge wie Verhütung oder Stellungen – es ist viel banaler. Die häufigste Frage, die ich von Frauen gestellt bekomme, wenn sie häufig wechselnde SexualpartnerInnen haben (und ja, nur Frauen fragen das – Männer haben mit diesem Umstand nach wie vor keine Schwierigkeiten!), lautet: „Bin ich eine Schlampe?“ oder so etwas wie „Bin ich verhurt?“. Mich erschreckt die Frage jedes Mal wieder, vor allem, weil sie von Frauen zu kommen scheint, die sehr selbstbewusst mit sich, ihrem Körper und ihrer Sexualität umgehen.

Und dann – auf der anderen Seite – bin ich dann doch nicht so schockiert: wurde uns nicht all die Jahre und Jahrzehnte und im Grunde sogar Jahrhunderte (wenn man nach Bourdieu geht) gesagt und mitgegeben, dass eine Frau eine unterlegene Sexualität hat (selbst Freud hat das noch geglaubt) und war es nicht schon in der Kindheit ein Thema, was man anzuziehen hat und was nicht? Wurde nicht Madonna in den frühen Neunzigern von der Mehrheit der (weiblichen!) Bevölkerung als Hure und Schlampe bezeichnet, weil sie sich über ihre Sexualität geäußert hat und weil sie so frei und offen damit umgegangen ist?

Madonna in den frühen 90ern

Und ist es nicht verwunderlich, dass diese Bilder vermutlich auch 20 Jahre nach ihrem Entstehen für einen leichten, leisen Schock sorgen? Und zwar eindeutig nicht, weil jemand das in der Öffentlichkeit macht, sondern weil es überhaupt jemanden gibt, der sich zu seiner Sexualität bekennt und sie als Vorbild (und natürlich auch aus Publicity-Gründen) darstellt?

Im Grunde bleibt nur eines zu sagen: Sexualität ist Privatsache. Was jemand macht oder mit wem oder aus welchem Grund, das geht nur die handelnde/n Person/en etwas an und wer jemand anderen dafür verurteilt, tut das wahrscheinlich nur aus einem Grund: Neid. Und wir selbst? Verurteilen uns auch dafür. Und damit ist eines der Ziele der Emanzipation nicht erreicht, nämlich die Befreiung der Sexualität aus der gesellschaftlichen/kirchlichen Umklammerung.
Und noch eins: wir haben unsere Körper, um gut damit umzugehen. Und gut bedeutet: pass drauf auf – aber das bedeutet bei weitem nicht, zu Dingen, die man gerne hat, nein zu sagen. Vielmehr bedeutet das, von Krankheiten und anderen schädlichen Einflüssen Abstand zu halten und Verantwortung für das eigene (Sexual)Leben  zu übernehmen.

Das ist eine wesentliche Aufgabe der Sexualerziehung und später auch der Sexualpädagogik.

 

Nachtrag: Das Sexualverhalten von Frauen bzw. die Meinung über dieses Sexualverhalten ist historisch gewachsen. Zwar gab es immer Verhütungsmittel (wie zB Kondome aus Gedärmen und Leder), allerdings waren sie alle für den Mann oder sie waren Notfallsbehelfe für die Frau, wie zB eine Scheidenspülungen aus unterschiedlichen Kräutern. Erst in den 1960ern wurde das Verhütungsmittel für die Frau erfunden, das wir heute alle so schätzen: die Antibabypille. Erst durch sie wurde die selbstbestimmte Form der Sexualität für die Frauen möglich, wie man sie heute kennt. Trotzdem (oder vielleicht deshalb – am Anfang mussten Ärzte die Pille nicht verschreiben und es gab auch Befürchtungen, die Frauen könnten promisk leben) hat sich das alte Muster noch nicht verflüchtigt.

Männer konnten früher nie sicher sein, ob das Kind, das die Frau gerade austrug, von ihnen war. Deswegen (und natürlich wegen der ganzen Erbschaftsangelegenheiten) wurde den Frauen die Verantwortung für ihren Körper insofern entzogen, als man ihnen einredete, Sex sei nur für die Fortpflanzung und nur innerhalb der Ehe in Ordnung und alle außer- und vorehelichen sexuellen Beziehungen verteufelte. Dieses System hat sich über die Jahrhunderte bewährt und verfestigt und findet auch heute noch in ihrer Restriktion gegen die freie Ausübung der weiblichen Sexualität ihre Ausprägung.

 

Bourdieu: „Die gesellschaftliche Welt ist akkumulierte Geschichte.“

Timing

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Eine häufige Frage, die Menschen sich grundsätzlich immer wieder stellen und die auch Thema in Sexualberatungen bzw. sexualpädgogischen Workshops ist, lautet: wie weiß ich, dass er/sie will? Und eine andere, recht ähnliche: wann ist der richtige Zeitpunkt gekommen, um einen Schritt weiterzugehen? Oder anders: wie weiß ich, ob der Schritt, den ich gerade tun möchte, zu viel oder zu wenig oder vielleicht sogar gerade richtig ist?

Die häufigste Antwort ist dann, wenn man zum Beispiel einen Freund oder eine Freundin fragt: das spürst du dann. Ist auch die häufigste Antwort auf: wie weiß ich, dass es Liebe ist? Wann ist der Zeitpunkt für’s erste Mal (das ist die mit Abstand häufigste Frage bei Jugendlichen!)? Wie weiß  ich, ob eine Beziehung an ihrem Ende angelangt ist? Wie weiß ich, ob ich bereit für Kinder/Zusammenziehen/Heiraten bin?  Und so korrekt diese Antwort ist (sie kommt ja nicht von ungefähr, sondern speist sich aus dem persönlichen Hintergrund und aus den Erfahrungen der Person, die da bereitwillig antwortet), so hilflos ist die fragende Person, wenn sie mit dieser Reaktion leben muss und daraus vielleicht etwas basteln soll. Denn die Grundfrage ist ja: WIE und WO spürt man, dass/ob es richtig ist, was man da tun möchte?

Es gibt jetzt viele Möglichkeiten, wie man die Beantwortung der Grundfrage angeht. Eine ist, zu hinterfragen, warum Menschen ihre Gefühle in Zweifel stellen. Eine andere, ein paar anatomische und organische Antworten zu geben. Und wieder eine andere, zur Grundantwort – das spürst du schon – zurückzukehren.

Ich – und mit mir viele TherapeutInnen und BeraterInnen – bin der Ansicht, dass Menschen wissen, was sie wollen. Sie wissen, was sie fühlen und sie wissen auch, in welcher Intensität sie die Dinge herbeisehnen. Also wäre die erste Antwort, die niemand hören will: du weißt, was du willst! In dir ist die Antwort längst da. Sie äußert sich durch deine Frage. So viel zur Tiefenpsychologie.

Instanzenmodell nach Freud

Die Grafik verdeutlicht, was ich damit meine und spricht gleich noch eine Ebene an: die der Außenwelt, also der Normen und Werte. Will heißen, alle Fragen im Bezug auf Beziehung und Sexualität sind durch die Gesellschaft, in der wir leben, (mit)bestimmt und haben in der sozialen Realität, durch die wir geprägt wurden, einen hohen Stellenwert in unserem Empfinden und Erleben – auch oder vielleicht sogar besonders dann, wenn wir es nicht so empfinden (möchten)!

Für besonders Interessierte: Sozialisation (vgl. Pierre Bourdieu: „Sozialisation ist akkummulierte Geschichte.“)

Wir sind also Teil dieser Gesellschaft und reproduzieren durch unsere Gedanken und Gefühle, was wir erlernt haben. Im Bezug auf Sexualität ist diese Prägung eine besonders vielschichte und widersprüchliche. Während in den letzten Jahrhunderten die romantische Liebe überhaupt erst entstand, hat sich die Befreiung des Körpers von den Zwängen der Kirche und der gesellschaftlichen Anforderung der Triebbeherrschung erst in den letzten Jahrzehnten zu vollziehen begonnen. Und auch wenn manche Sexualwissenschaftler die sexuelle Revolution als nicht ungefährlich für die Lust (die ja auch durch das Verbotene angestachelt wird) sehen (vgl. Volkmar Sigusch – Die neosexuelle Revolution), so denke ich, dass die Wahrnehmung der Sexualität und der körperlichen und seelischen Bedürfnisse zu den wunderbarsten Entdeckungen des 20. und 21. Jahrhunderts gehört – wir fühlen und das ist gut so!

Worauf will ich hinaus? Ich möchte sagen, dass wir immer schon wussten, was wir wollten. Und dass die Gesellschaft, die Kirche, die Normen und nicht zuletzt wir selbst uns verboten haben, zu empfinden, was nun mal da war: sei es Lust oder eben keine Lust (das ist noch immer tabuisiert, vor allem bei Männern), sei es das Begehren des eigenen Geschlechts, Selbstbefriedigung, Fetisch oder die Freude am Partnertausch. Durch das Verbieten entstand eine Schwelle und diese Schwelle wird durch Sozialisation weitervererbt. Wir lernen, uns zu beherrschen. Es gibt Wissenschaftler, die der Ansicht sind oder waren, dass diese Selbstbeherrschung Teil des erwachsenen Ichs ist.

Was also müssen wir tun? Wir müssen uns fühlen trauen! Wir brauchen inzwischen Mut, um unsere Gefühle wahrzunehmen. Ein Outing, nur als Beispiel, ist die Akzeptanz von Gefühlen. Und es beginnt in sich selbst. Ein Outing beginnt nicht damit, dass man anderen sagt, was man empfindet, sondern dass man es in sich fühlt und dann danach handelt. Und so gesehen, ist jede sexuelle oder emotionale Handlung, wie ein Kuss oder eine Berührung eine ist, ein Outing. Eines, das in einem selbst und dann erst mit jemand zweitem stattfindet.

Wir brauchen also nicht nur Mut, sondern auch Zeit. Und „hör auf deinen Bauch“ ist kein schlechter Ratschlag. Wieder zur Grundfrage: wo und wie spürt man, was passt? Also, im Bauch ist unser zweites Hirn. Der Darm besteht aus einer gigantischen Anzahl von Nervenzellen und in ihm machen sich Emotionen besonders dann bemerkbar, wenn wir gerade dabei sind, sie zu verdrängen.

Im Bezug auf Sexualität gibt es noch einen zweiten, besonders hilfreichen Partner – das Wort Sexualität leitet sich vom lateinischen sexus ab: das bedeutet Geschlecht. Unser Geschlechtsorgan weiß also ziemlich genau, ob und wie viel und worauf wir gerade Lust haben. Dabei sind die tatsächlichen körperlichen Reaktionen (wie eine Schwellung oder ein Feuchtwerden) eher zweitrangig. Lange, bevor wir eine körperliche Auswirkung der Situation wahrnehmen, gibt es ein Gefühl im Geschlechtsorgan. Es ist so eindeutig, dass man es nicht erklären muss – selbst Kinder wissen genau, was dieses bestimmte Kribbeln zwischen den Beinen bedeutet. Nur dass sie darauf reagieren und Erwachsene tun das nicht. Und weil Erwachsene es ist nicht tun – sie verschieben ihre Lust – verlernen einige von ihnen, ihre Gefühle wahrzunehmen und eindeutig einzuordnen.

Um das – bevor der Artikel ein Buch wird – deutlich zusammenzufassen: wir wissen, was wir wollen und wir wissen auch, wann und in welchem Umfang wir etwas wollen. Ein guter Hinweis auf Situationen, in denen das Timing in Frage gestellt wird (und meist sind es eben die gesellschaftlichen Anforderungen und/oder das eigene Selbstwertgefühl, das uns abhält), ist: wenn alles in dir JA sagt, dann ist es JA. Wenn einiges JA und irgendetwas  NEIN sagt, dann ist es NEIN. Wir alle kennen das. Und trotzdem folgen wir dem Gefühl nicht.

Und in diesem Fall bedeutet Back to the roots: zurück zu den Ursprüngen unserer Gefühle. Als Kinder wussten wir, was wir wollten. Also holen wir es doch wieder raus!

Beziehungsstatus: selbstständig

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Die Vision, dass Beziehungen perfekt sind oder zumindest sein sollten, begleitet uns von früher Kindheit an. Nicht nur, dass wir unsere Eltern und all jene Menschen, die in unserer nächsten Umgebung unser Heranwachsen begleiten, als Vorbilder akzeptieren und von ihnen die Formen und Normen, wie Beziehungen funktionieren, erlernen. Nein, zusätzliche Prägung erfahren wir durch alle Formen der medialen Darstellung von (vermeintlich) glücklichen Beziehungen: durch Lieder (alte Schlager und neue Chartbreaker), Filme (Klassiker und moderne Märchen; die sogenannten „RomComs“ sind ein wichtiger Geschäftszweig), Bücher (vom „jungen Werther“ bis „Twilight“) – sie alle propagieren die eine, die wahre, die einzige und ewige Liebe. Die, die ohne Schwierigkeiten ist, sobald sie begonnen hat. Sobald die (zwei!) Menschen den Weg zueinander gefunden haben, sind die Probleme vorbei. Deswegen bestehen die meisten Drehbücher und Romantexte auch aus dem Weg zur Liebe und nicht aus dem, was danach kommt. Und das nehmen wir mit. Wir suchen und nehmen so vieles auf uns, um zu finden, was uns versprochen wurde: Schmähungen und Rückschläge. Komplimente von Menschen, die uns nicht interessieren und dabei nehmen wir auch in Kauf, dass wir uns für Menschen interessieren, mit denen wir nichts gemeinsam haben. Weil wir auf der Suche sind.

Irgendwann begegnen wir dann einer Person, die das Herz hüpfen lässt, die Schmetterlinge im Bauch tanzen und die Hormone spielen verrückt. Nachdem die erste Phase der Verliebtheit vorbei ist (Studien zufolge ist es nach spätestens einem Jahr soweit), überprüfen wir den Partner/die Partnerin auf ihre Beziehungsfähigkeit. Und in Wahrheit beginnt erst dann der Kampf. Im weiteren Verlauf einer Verbindung werden wir mit unseren Erwartungen und den Wunden unserer Vergangenheit konfrontiert und zusätzlich auch mit jenen des Partners/der Partnerin. Diese Konfrontation führt zu Missverständnissen und Kränkungen, diese wiederum zu Streit, mitunter ohne Ausweg und dann vielleicht oder sogar wahrscheinlich zu einer Trennung.

Quelle: testedich.at

wir geben gerne anderen die Schuld

In unserer anerzogenen Eigenschaft, Beziehungen nur dann als glücklich oder funktionierend zu betrachten, wenn sie konfliktfrei verlaufen bzw. sehr bald ein konstruktiver Kompromiss gefunden wird, beginnen wir in einer ernsthaften Auseinandersetzung allzu leicht, an der Beziehung und der Tragfähigkeit dieser Liebe zu zweifeln. Unter anderem entsteht ein schlechtes Gewissen, wenn wir nein sagen. „Nein, ich will das nicht.“ „Ich möchte alleine sein.“ „Ich möchte nicht zusammenziehen/heiraten/Kinder bekommen.“

Um die Beziehung zur geliebten Person aufrecht erhalten zu können, müssen wir uns fragen: ist es tatsächlich ein Zeichen für mangelnde Liebe, wenn wir mal nein sagen? Oder wenn wir nicht die gleichen Ziele verfolgen? Und im Endeffekt bleibt die Frage: und wenn kein Kompromiss gefunden wird, können wir dann zusammenbleiben? Sind wir noch ein Paar, wenn er/sie/ich allein sein/(nicht) zusammenziehen/heiraten/Kinder möchte? Diese eine Frage begegnet uns, auf die eine oder andere Weise, in jeder Beziehung. Und das ist nicht nur natürlich, es ist sogar notwendig. Wir sind eigenständige Menschen – bis wir eine Beziehung eingehen!? Was wie Sarkasmus klingt, ist die blanke Realität. Wir vergessen gerne, dass wir Charaktere sind, die ohne diese eine Beziehung existiert und gelebt haben und auch, dass wir zuvor ebenfalls glücklich waren, nicht erst, als wir diese eine, diese besondere Person trafen. Und auch, wenn wir nun Teil eines gemeinsamen Lebens sind, bedeutet das nicht, dass wir nicht mehr wir selbst sind: mit unseren Eigenheiten, Stärken, Schwächen und mit unseren Grenzen! Diese Charaktereigenschaften haben uns zu dem Menschen gemacht, der von unserem Gegenüber geliebt wird. Warum sie also aufgeben? Weil wir, wie schon mehrmals erwähnt, erwarten und hoffen, dass diese eine, diese ewige und einzig wahre Liebe unser Lebensglück beinhaltet und wir deswegen, auch weil wir auf dem Weg dorthin oft schon Entbehrungen auf uns genommen haben, bereit sind, auf vieles zu verzichten: wir verlieren uns in Beziehungen. Das geschieht vielen Menschen, die meisten bekommen es erst mit, wenn sie es nicht ohne große Schnitte rückgängig machen könnten – der Zeitpunkt, an dem die Liebe in die Brüche geht.

Was also tun? Es klingt einfach, ist aber schwierig: sei du selbst. Bleib du selbst. Steh zu dir. Du bist super, wie du bist. Und wenn du dich veränderst, so geschieht das durch dich und nicht durch deine/n PartnerIn! Wir haben Angst, vor Verlust und vor Verletzungen. Dass die Wahrscheinlichkeit, verletzt zu werden und jemanden zu verlieren, größer ist, wenn wir nicht selbst sind, vergessen wir gerne.

Und falls es endet, gibt es doch einen wichtigen Hoffnungsschimmer: die nächste Beziehung kommt bestimmt. Und damit eine neue Chance, wir selbst zu sein.

Weiterlesen:

Phasen der Partnerschaft – focus.de
Wenn aus Leidenschaft Liebe wird – welt.de

Hilfsmittel

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Jede und jeder von uns hat das schon mal gesehen: Dinge, die Sex versprechen. Oder anders: sexuelle Lust. Sexuelle Attraktivität.

Und hier meine ich nicht einfach diese standardisierten pornographischen Werbungen, wenn man sich im Internet einen Film ansieht. Ich meine das, was einem im Alltag – im Geschäft oder einfach, wenn man fernsieht, begegnet.

So etwas meine ich beispielsweise:

Schuhbeck's Gewürze - Sexgewürz

Ich sah dieses Gewürz vor einigen Monaten in einem Wiener Supermarkt und dachte bei mir: ach, das jetzt auch schon? Ich vermute, wie auf dem Bild über der Beschriftung angedeutet, sind aphrodisierende Gewürze enthalten. Man schreibt folgenden Lebensmitteln aphrodisierende (= sexuell anregende) Wirkung zu:

  • Spargel
  • Anis
  • Ingwer
  • Chili
  • Schokolade
  • Ginseng

und sicher noch jede Menge mehr. Jedenfalls verbindet man mit diesen Gewürzen und Nahrungsmitteln eine die Libido steigernde Reaktion. Und was eigentlich etwas für den Hausgebrauch ist, wird von einem findigen Koch und einer Werbeagentur als Verkaufsargument missbraucht.

Bitte mich nicht falsch zu verstehen: ich verurteile niemanden und sogar nicht einmal eine Firma, wenn er/sie etwas zur Libidosteigerung versucht. Problematisch ist es meiner Ansicht nach allerdings dann, wenn für alles nur ein Mittelchen gefunden werden muss, damit’s „wieder läuft“. Denn: ist nicht genau diese Person das Ziel solcher Werbeavancen? Jemand, der in seiner Verbändelung (welcher Art auch immer diese sein mag) ein sexuelles Gefühl, das er/sie aus den Anfangstagen/-stunden dieser Verbindung noch kennt, an das er/sie sich noch erinnert, aber eben nicht mehr so wahrnehmen kann, vermisst. Und zwar so schmerzlich vermisst, dass er oder sie so vieles zu tun bereit ist, sei es, Sexgewürz unter die allabendliche Speise zu mischen oder auch einen Schritt weiterzugehen und für diese Beziehung ungewöhnliche Spielarten der Lust vorzuschlagen oder anzuwenden.

Oder aber – und hier ist, was ich eigentlich sagen wollte: sexuelle Lust kriegt man am Anfang einer Beziehung geschenkt. Dann lässt der Hormonschub aus der Verliebtheitsphase etwas nach (zum Glück, Menschen werden auf Dauer völlig verrückt von dem Hormoncocktail) und wir sehen den Menschen, wie er ist: auch mal mürrisch oder faul. Oder krank. Und niemand ist perfekt. Da fällt es dann schwer, ganz ungestüm jemanden zu erobern, den man ja eigentlich schon kennt.

Also muss man was dafür tun – beziehungsweise: nein, man muss nicht. Aber man kann. Und das reicht vom simplen Gedanken: „das finde ich schön an dir“ und dem Versuch, etwas Spannung durch einen Überraschungseffekt einzubringen bis hin zur Paar- bzw. Sexualberatung. Es gibt Möglichkeiten! Und weil jede Verbindung einzigartig ist, gibt es auch keinen Standardsex. Zum Glück.

Und das Gewürz? Ist zum Drüberstreuen.

Typisch?

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Wie viel wissen wir eigentlich von den Menschen, die als „schwul“ oder „lesbisch“ oder auch „bisexuell“ bezeichnet werden? Jede und jeder hat damit einen eigenen Umgang, und sei er noch so problematisch. Es gibt eine Art gesamtgesellschaftliche Übereinkunft, dass „die da“ ja machen können, was sie wollen – allerdings bitte im eigenen Bett (aha! Homosexualität ist nur was für’s Bett …!) und in den „eigenen vier Wänden“. Einige Menschen würden vielleicht noch hinzufügen, dass es Rechte für Homosexuelle geben soll oder muss und wieder einige weniger würden diese Rechte auch aktiv einfordern. So ist also Homo- oder Bisexualität zu einem politischen Thema geworden, das keiner weiteren Betrachtung als der durch die juristische Brille bedarf.

Oder nein – es wurde zu einem politischen Thema degradiert, denn was nicht gern gesehen oder gehört wird, ist: von der heterosexuellen Norm abweichende sexuelle oder andere Beziehungen werden gern oder oft ausgeblendet – „net amoi ignorieren“ oder so ähnlich. Diese Vorgehensweise (und niemand möchte sagen, dass es sich dabei um eine bewusste Vorgehensweise handelt!) hat sogar einen Namen: Heteronormativität und sie ist viel, viel weiter verbreitet als die bewusste Anerkennung von unterschiedlichen L(i)ebensweisen.

Man könnte jetzt sagen, es gibt einige unterschiedliche Weisen, Homo- und Bisexualität (oder jeder anderen Form von Sexualität) zu betrachten:

  1. Ignorieren (also bewusstes „nicht wahrnehmen“)
  2. Schwul ist exotisch – also der Fokus auf das Außergewöhnliche, auf Events wie den Life Ball oder die Regenbogenparade u.ä.
  3. Jede Art von Sexualität ist ok, solang  Erwachsene daran beteiligt sind und niemand gezwungen wird.
  4. Sexualität ist Politik. Für die Rechte von Homosexuellen, Bisexuellen und deren Kinder (vgl. „Regenbogenfamilien“) müssen alle kämpfen, nicht nur die Betroffenen selbst.
  5. Homosexualität ist ekelhaft und muss bekämpft werden, notfalls aus einem religiösen oder biologistischen bzw. auch ideologischen Motiv heraus (vgl. Homophobie)

Diese Liste kann man fast beliebig lange fortsetzen!

Auf welcher Seite stehen die Vorurteile, die Bilder, die Klischees? Man müsste fast sagen: auf jeder Seite – es gibt keine Betrachtungsweise ohne Klischees oder Stereotypen, ohne Vorurteile und Meinungen. Sogar Betroffene selbst haben eindeutige Bilder in sich, anhand derer sie die „homosexuelle“ und die „heterosexuelle“ Welt einteilen. Und ein Schritt weiter: es gibt kaum Menschen ohne Vorurteile!

Und deswegen fallen Klischees jedem von uns ein. Dass eine Lesbe ein dickes Mannsweib mit Maschinen-Haarschnitt ist, sie keinen Mann abgekriegt hat, sie an Penisneid leidet, sich schlecht kleidet, Bier trinkt und Fußball spielt. Dass sie eine langjährige, von Eifersucht geprägte Beziehung ohne Sex führt. Überhaupt ist sie ein männerhassendes, feministisches Monster, sehr „öko“ oder „eso“. Dass ein Schwuler hübsch und gepflegt ist, ein bisschen weibisch vielleicht, aber auf jeden Fall promisk und oberflächlich, also ein verhindertes Mädchen. Er tanzt die ganze Nacht mit unterschiedlichen Männern, auf Droge vielleicht, aber auf jeden Fall mit Poppers in der Nase, Sex hat er dann im Darkroom und das ohne Kondom, weswegen alle Schwulen AIDS haben. Mit der hohen Stimme, dem tuntigen Auftreten und der geschraubten Ausdrucksweise ist der Paradeschwule also perfekt.

Von den Vorurteilen über Bisexuelle gibt es auch genug: meist eine Frau, die nymphoman ist, untreu und gut aussehend, dass es nicht um Liebe, sondern um Sex geht. Dass es demnach bei Bisexuellen keine festen Bindungen gibt, die Geschlechtskrankheiten also Hochzeit feiern. Natürlich können sie sich nicht zwischen den Geschlechtern entscheiden, weswegen sie sich einbilden, in Menschen beider Geschlechter verliebt sein zu können – „in den Menschen und nicht in das Geschlechtsorgan!“.

Klischee??

Was bleibt also übrig, das alles mit Humor zu nehmen?

Oder ist das „mit Humor nehmen“ auch schon wieder falsch, weil es Vorurteile und Klischees bedient und vielleicht sogar untermauert?

Nur eines ist fix: wir sollten nie aufhören, die Klischeebilder, die wir in uns haben, zu hinterfragen. Nicht nur im Hinblick darauf, was davon in uns verhaftet in Form eines Vorurteils ist, sondern auch Witze, die vielleicht ins Respektlose abdriften und mit „Schmäh“ nicht mehr zu erklären oder wegzuwischen sind. Wenn Witze oder Vorurteile zu handfesten Diskriminierungen werden, dann ist es Zeit, einzugreifen. Das betrifft alle Arten von Vorurteilen gegen alle Minderheiten, nicht nur gegen homo-, trans- und bisexuelle Menschen.

Wir sprechen auch in unseren Workshops über Homosexualität und Klischees. Komm einfach vorbei, du bist herzlich willkommen!

Diskriminierung oder was?

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Gleichbehandlungsgebot im Zusammenhang mit einem Arbeitsverhältnis

§ 17. (1) Auf Grund der ethnischen Zugehörigkeit, der Religion oder Weltanschauung, des Alters oder der sexuellen Orientierung darf im Zusammenhang mit einem Arbeitsverhältnis niemand unmittelbar oder mittelbar diskriminiert werden, insbesondere nicht

1. bei der Begründung des Arbeitsverhältnisses,
2. bei der Festsetzung des Entgelts,
3. bei der Gewährung freiwilliger Sozialleistungen, die kein Entgelt darstellen,
4. bei Maßnahmen der Aus- und Weiterbildung und Umschulung,
5. beim beruflichen Aufstieg, insbesondere bei Beförderungen,
6. bei den sonstigen Arbeitsbedingungen,
7. bei der Beendigung des Arbeitsverhältnisses.

Begriffsbestimmungen

§ 19. (1) Eine unmittelbare Diskriminierung liegt vor, wenn eine Person auf Grund eines in § 17 genannten Grundes in einer vergleichbaren Situation eine weniger günstige Behandlung erfährt, als eine andere Person erfährt, erfahren hat oder erfahren würde.

(2) Eine mittelbare Diskriminierung liegt vor, wenn dem Anschein nach neutrale Vorschriften, Kriterien oder Verfahren Personen, die einer ethnischen Gruppe angehören, oder Personen mit einer bestimmten Religion oder Weltanschauung, eines bestimmten Alters oder mit einer bestimmten sexuellen Orientierung gegenüber anderen Personen in besonderer Weise benachteiligen können, es sei denn, die betreffenden Vorschriften, Kriterien oder Verfahren sind durch ein rechtmäßiges Ziel sachlich gerechtfertigt und die Mittel sind  zur Erreichung dieses Zieles angemessen und erforderlich.

(3) Eine Diskriminierung liegt auch bei Anweisung einer Person zur Diskriminierung vor.

(4) Eine Diskriminierung liegt auch vor, wenn eine Person auf Grund ihres Naheverhältnisses zu einer Person wegen deren ethnischer Zugehörigkeit, deren Religion oder Weltanschauung, deren Alters oder deren sexueller Orientierung diskriminiert wird.“ (zitiert nach dem österreichischen Gleichbehandlungsgesetz, Fassung 2004)

Natürlich bezieht sich das Gesetz nicht ausschließlich auf den Arbeitsbereich, aber dort sollte es zuerst Anwendung finden. Dass Österreich die Minimal-Version dieser EU-Richtlinie (Originaltext, Jahr 2000) umgesetzt hat, ist leider auch Fakt und war Gegenstand zahlreicher Diskussionen (siehe unten).

Und wenn man die Entwicklung der Rechte von Homosexuellen in den letzten 3 Jahrzehnten (beginnend mit dem Stonewall-Aufstand von 1969) betrachtet, müsste man vielleicht denken, dass die Träume einer Gleichberechtigung, einer Normalisierung zum Greifen nah sind. Dass es keine Überwindung kostet, heute dazu zu stehen, wenn eine Frau eine andere Frau sexuell attraktiv findet oder wenn ein Mann einen anderen Mann liebt und mit ihm ein gemeinsames Leben, eine Familie, aufbauen möchte. Dass ein Outing nicht mehr notwendig wäre. Dass es Antidiskriminierungsgesetze nicht geben müsste, weil es gesellschaftlich anerkannt ist, homosexuell zu leben und zu lieben. Doch dem ist wohl nicht so?! Oder sind einige Betroffene so etwas wie überempfindlich? Darüber gehen die Meinungen weit auseinander.

Fakt ist: es gibt noch immer Berichte über Ausgrenzungen und Ablehnung, im Tourismus, auf der Straße und im Job. Gerade in der Arbeitswelt fällt das oft unter sexuelle Belästigung (zum Beispiel, wenn – ganz klischeehaft – homosexuelle Frauen und Männer anzügliche Witze präsentiert bekommen, die auf ihr Privatleben anspielen), weniger unter Diskriminierung wegen sexueller Orientierung. Die Gesetzgebung ist gerade in Österreich in diesem Zusammenhang nicht wirklich weit. 2004 wurde die EU-Richtlinie in Minimalform umgesetzt und auch als 2010 die Eingetragene Partnerschaft in Kraft trat, hat Österreich den politischen Widerwillen zum Ausdruck gebracht (siehe hierzu: Rechtskomittee Lambda und Pride – Das lesbisch/schwule Österreichmagazin online). Genauere, auch rechtliche Informationen zur EP („Eingetragenen Partnerschaft“) findet man hier: partnerschaftsgesetz.at.

Was also sagen uns diese Fakten, aber auch die Erfahrungen und vielleicht auch die Bilder, die wir von lesbischen Frauen und homosexuellen Männern ins uns haben? Dass noch viel zu tun ist, könnte man darauf antworten. Andere könnten erwähnen, dass es vielleicht zu viel Lärm um diese Art der Lebensführung gibt – nach dem Motto „Ich sag ja auch nicht, dass ich hetero bin!“ – und dass eben dieser Lärm die Diskriminierung erst anheizt. Natürlich gibt es auch religiöse Menschen, die sagen, dass es keiner Ehe und keiner Gleichstellung bedarf, die gesamte Debatte also obsolet ist, weil Gott und die Bibel die (sexuelle) Liebes-Beziehung zwischen Menschen des gleichen Geschlechts als Sünde betrachtet und deswegen streng verboten haben. Ins gleiche Horn stoßen rechte und konservative Parteien, wenn auch nicht unbedingt aus religiösen Gründen.

Auf der einen Seite also die Fakten: es gibt Menschen, die homosexuelle Empfindungen (romantischer wie sexueller Natur) haben und sie sind unterschiedlichen Herausforderungen ausgesetzt, die andere Menschen nicht durchleben müssen – vor allem im Bezug auf gesellschaftliche und leider auch rechtliche Diskriminierung.

Ist also alles dunkel am LGBT-Himmel? Oh nein, es dämmert längst. Nicht nur die rechtlichen Rahmenbedingungen haben sich nach Jahrzehnten der Kämpfe, nach Protesten, Petitionen sowie prominenten Betroffenen wie Ellen DeGeneres, Jodie Foster, Elton John oder George Michael und noch prominenteren FürsprecherInnen wie Elizabeth Taylor (†), Marlene Dietrich (†), Bette Midler oder Madonna, geändert. Auch die gesellschaftlichen Bereiche haben nachgezogen, oftmals, wie zum Beispiel bei Regenbogenfamilien, sind sie längst Realität bevor der Gesetzgeber sich aufrafft, Dinge anzuerkennen und sie auch offiziell abzusichern. Sieht also ganz so aus, als wäre das alles erst der Anfang.

Wir sprechen auch in unseren Workshops über Homosexualität, schau einfach mal vorbei, wenn dich das Thema interessiert!