Archiv der Kategorie: Uncategorized

„DAS machen?“ – Buchrezension

Standard

Als vor einigen Wochen die Broschüre „Ganz schön intim“ plötzlich in die Schlagzeilen geriet, ist das Buch „DAS machen?“, das sich direkt an Kinder richtet, leider etwas untergegangen. Ich wurde zufällig im Internet darauf aufmerksam und mir wurde das Buch dankenswerterweise vom Verlag zur Verfügung gestellt – dafür herzlichen Dank.

web_cover_front_final_(c)_christine_aebi_de'a_publishing_medium

Im Gegensatz zur sogenannten Broschüre ist das Buch für Kinder gemacht, um die Bilderwelten und die Fragen in einen Rahmen zu legen, der für Kinder verständlich ist. Wenn man denkt, dass Kinder die Fragen erst stellen, wenn sie mit dem Inhalt konfrontiert werden (also zum Beispiel denken manche Menschen, man bringt Kinder auf diese „Ideen“ und nicht, dass Kinder das von alleine merken und dann Fragen zu stellen beginnen), liegt man falsch. Kinder sehen, dass Erwachsene Dinge tun, die sie nicht tun und dazu haben sie Fragen und das ist nicht nur „normal“, wie man heute sagt, um Menschen zu beruhigen, sondern auch echt toll. Wir alle lernen (unser ganzes Leben) durch Fragen und dadurch, dass wir Dinge verstehen lernen, die wir verstehen wollen. Und weil Sexualität mit den Kindern etwas direkt zu tun hat (sie kennen dieses kribbelige Gefühl zwischen den Beinen schon von ganz jungen Jahren an), wollen sie es verstehen. Und sie wollen verstehen, warum sie manche Menschen toller finden als andere, warum sie sie berühren möchten und warum sie träumen,sie zu heiraten oder oder oder. Und natürlich: Mutter, Vater, Kind zu spielen ist nicht einfach ein Rollenspiel. Es ist auch: das mache ich später mal. Und dazu gibt es Fragen, ganz klar.

Nun zum Buch: es ist groß! 25 mal 30 cm, hätte ich geschätzt. Es ist bunt und hat dicke Seiten. Beschrieben werden die Fragen in einem Projekt – die Autorinnen erklären das selbst auf ihrer Webseite und natürlich wird alles in eine Geschichte gegeben: Es wird angenommen, es findet eine Projektwoche statt, in einer vierten Klasse Volksschule (die Schüler_innen sind da ca. 10 Jahre alt) und die Lehrerin erklärt viele Dinge zum Thema Sex und Verliebtsein. Der Hauptimpuls aber, und da sind wir wieder bei der Einleitung, kommt von den Schülerinnen und Schülern. Sie haben schon Fragen und Gedanken und Wünsche und Sehnsüchte mitgebracht und die wollen sie verstehen und verstanden wissen.

Themen aus dem Buch sind:

  • Worte finden, Worte verstehen
  • Mythen aufklären, Umstände verstehen
  • Verliebtheit, Liebe
  • Beziehungsalltag
  • Kinder bekommen
  • Sex, sexuelle  Gefühle
  • Schamgefühl, Grenzen

und so weiter

Von mir gibt es eine klare Empfehlung – Eltern wissen, dass ihre Kinder Fragen haben, wissen aber oft nicht, welche. Und Kinder mit 10 Jahren haben schon einen sehr genauen Eindruck davon, wie persönlich dieses  Thema ist, sie werden also vielleicht nicht von alleine kommen. Dieses Buch kann einen wunderbaren Eindruck liefern, was gerade aktuell ist und den Kindern auch die Möglichkeit geben, selbst etwas nachzudenken.

Es gibt übrigens auch ein Video, in dem man das Buch genauer sieht.

Und, für Pädagogen und Pädagoginnen wichtig: das Buch kann ein guter Einstieg sein, um dann ganz konkret zu arbeiten, es gibt Materialien online.

Ich wünsche allen, die es in Händen halten, viel Freude mit dem Buch und natürlich schöne Feiertage!

Libido: verboten?

Standard

Letztens in einer privaten Runde: beim Bundesheer wurde den zwangsverpflichteten Männern ein libidosenkendes bzw. -verhinderndes Mittel verabreicht. Durch einige kurze Recherchen fand ich soeben heraus, dass diese Geschichte als Mythos gilt. Jedenfalls hat sich das Gerücht bei vielen Männern durchgesetzt (es wurde mir von unterschiedlichen Seiten berichtet). Als ich vor einigen Monaten davon erstmals hörte, war die Reaktion eindeutig: allgemeine Empörung. Diesmal jedoch: ob es nicht eher praktisch ist (wäre), wenn man diese Gefühle im Moment (6-Bett-Zimmer: keine Privatsphäre und evtl. kein/e Freund/in zu Hause) eh nicht brauchen kann?

Bundesheer in Österreich

Auf der anderen Seite stand das Argument, dass die Libido in ihrer speziellen Ausprägungsform Teil der menschlichen Natur ist und diese zu beschneiden (vor allem womöglich ohne gesonderte Aufklärung?) gegen die Grundrechte (Unversehrtheit der Person), also gegen die Verfassung verstößt.

Und: diverse Medikamente gegen Bluthochdruck, Depressionen oder Schizophrenie haben als häufige Nebenwirkung Erektions-, Ejakulations- und Libidostörungen. Fast alle Menschen, die diese Medikamente einnehmen (müssen), um ihr gesundheitliches Wohl abzusichern, haben schon von dieser Wirkung gehört. Werden Sie aber von ihren Ärzten und Ärztinnen speziell danach gefragt?  Ich bin mir da leider nicht so sicher. Ich habe das selbst schon einige Male als Begleiterin erlebt. Wenn man die Symptome nicht von selbst anspricht, wird man nicht fokussiert gefragt. Das hat sicher mehrere Gründe. Ein Grund, warum Patienten diese Nebenwirkung nicht ansprechen, ist, weil sie nicht denken, dass es etwas mit dem Medikament zu tun haben könnte. Und natürlich sind sie auch beschämt deshalb.

Also alles in allem bleibt die Frage, die einer Diskussion würdig ist: steht einem die Libido manchmal im Weg? Gibt es Situationen, in denen geil zu sein, unangenehm wäre (jetzt mal von Warteschlangen im Supermarkt abgesehen) – ich meine längerfristige Situationen wie eben Erkrankungen, Bundesheer – und Gefängnisaufenthalte?

Und wenn das gerechtfertigt ist:gilt es dann auch für andere Situationen, in welchen das Thema Geilheit (also Sexualität grundsätzlich) nicht angebracht oder passend scheint? Ich spreche da vor allem alle anderen institutionalisierten Wohnformen an – besonders jene, die auf längere oder unbefristete Dauer angelegt sind: Wohngemeinschaften (mit Betreuung), Heime, Seniorenwohnhäuser, Kinderheime und eben auch Gefängnisse und Psychiatrien. Gibt es besondere Zielgruppen?

Ich saß vor einigen Monaten in einem Gespräch in kleiner Runde, es ging um symbolische Kommunikation. Den Klienten und Klientinnen sollte die Hausordnung über die Kombination eines Bildes und kurzen  Sätzen (2 – 4 Worte) näher gebracht werden. Gegen Ende der Liste fand sich ein Quadrat, in welchem man zwei symbolisierte Menschen sah, die Sex miteinander hatten: es war durchgestrichen und daben stand: Sex bitte nur im Zimmer.