Archiv der Kategorie: Sexualität allgemein

Sex und Gesellschaft

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Es ist ein altes Thema, vielleicht sogar ein leidiges, trotzdem ist es brandaktuell: was ist richtig oder falsch im Bezug auf sexuelles Verhalten? Damit gemeint sind nicht Dinge wie Verhütung oder Stellungen – es ist viel banaler. Die häufigste Frage, die ich von Frauen gestellt bekomme, wenn sie häufig wechselnde SexualpartnerInnen haben (und ja, nur Frauen fragen das – Männer haben mit diesem Umstand nach wie vor keine Schwierigkeiten!), lautet: „Bin ich eine Schlampe?“ oder so etwas wie „Bin ich verhurt?“. Mich erschreckt die Frage jedes Mal wieder, vor allem, weil sie von Frauen zu kommen scheint, die sehr selbstbewusst mit sich, ihrem Körper und ihrer Sexualität umgehen.

Und dann – auf der anderen Seite – bin ich dann doch nicht so schockiert: wurde uns nicht all die Jahre und Jahrzehnte und im Grunde sogar Jahrhunderte (wenn man nach Bourdieu geht) gesagt und mitgegeben, dass eine Frau eine unterlegene Sexualität hat (selbst Freud hat das noch geglaubt) und war es nicht schon in der Kindheit ein Thema, was man anzuziehen hat und was nicht? Wurde nicht Madonna in den frühen Neunzigern von der Mehrheit der (weiblichen!) Bevölkerung als Hure und Schlampe bezeichnet, weil sie sich über ihre Sexualität geäußert hat und weil sie so frei und offen damit umgegangen ist?

Madonna in den frühen 90ern

Und ist es nicht verwunderlich, dass diese Bilder vermutlich auch 20 Jahre nach ihrem Entstehen für einen leichten, leisen Schock sorgen? Und zwar eindeutig nicht, weil jemand das in der Öffentlichkeit macht, sondern weil es überhaupt jemanden gibt, der sich zu seiner Sexualität bekennt und sie als Vorbild (und natürlich auch aus Publicity-Gründen) darstellt?

Im Grunde bleibt nur eines zu sagen: Sexualität ist Privatsache. Was jemand macht oder mit wem oder aus welchem Grund, das geht nur die handelnde/n Person/en etwas an und wer jemand anderen dafür verurteilt, tut das wahrscheinlich nur aus einem Grund: Neid. Und wir selbst? Verurteilen uns auch dafür. Und damit ist eines der Ziele der Emanzipation nicht erreicht, nämlich die Befreiung der Sexualität aus der gesellschaftlichen/kirchlichen Umklammerung.
Und noch eins: wir haben unsere Körper, um gut damit umzugehen. Und gut bedeutet: pass drauf auf – aber das bedeutet bei weitem nicht, zu Dingen, die man gerne hat, nein zu sagen. Vielmehr bedeutet das, von Krankheiten und anderen schädlichen Einflüssen Abstand zu halten und Verantwortung für das eigene (Sexual)Leben  zu übernehmen.

Das ist eine wesentliche Aufgabe der Sexualerziehung und später auch der Sexualpädagogik.

 

Nachtrag: Das Sexualverhalten von Frauen bzw. die Meinung über dieses Sexualverhalten ist historisch gewachsen. Zwar gab es immer Verhütungsmittel (wie zB Kondome aus Gedärmen und Leder), allerdings waren sie alle für den Mann oder sie waren Notfallsbehelfe für die Frau, wie zB eine Scheidenspülungen aus unterschiedlichen Kräutern. Erst in den 1960ern wurde das Verhütungsmittel für die Frau erfunden, das wir heute alle so schätzen: die Antibabypille. Erst durch sie wurde die selbstbestimmte Form der Sexualität für die Frauen möglich, wie man sie heute kennt. Trotzdem (oder vielleicht deshalb – am Anfang mussten Ärzte die Pille nicht verschreiben und es gab auch Befürchtungen, die Frauen könnten promisk leben) hat sich das alte Muster noch nicht verflüchtigt.

Männer konnten früher nie sicher sein, ob das Kind, das die Frau gerade austrug, von ihnen war. Deswegen (und natürlich wegen der ganzen Erbschaftsangelegenheiten) wurde den Frauen die Verantwortung für ihren Körper insofern entzogen, als man ihnen einredete, Sex sei nur für die Fortpflanzung und nur innerhalb der Ehe in Ordnung und alle außer- und vorehelichen sexuellen Beziehungen verteufelte. Dieses System hat sich über die Jahrhunderte bewährt und verfestigt und findet auch heute noch in ihrer Restriktion gegen die freie Ausübung der weiblichen Sexualität ihre Ausprägung.

 

Bourdieu: „Die gesellschaftliche Welt ist akkumulierte Geschichte.“

Timing

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Eine häufige Frage, die Menschen sich grundsätzlich immer wieder stellen und die auch Thema in Sexualberatungen bzw. sexualpädgogischen Workshops ist, lautet: wie weiß ich, dass er/sie will? Und eine andere, recht ähnliche: wann ist der richtige Zeitpunkt gekommen, um einen Schritt weiterzugehen? Oder anders: wie weiß ich, ob der Schritt, den ich gerade tun möchte, zu viel oder zu wenig oder vielleicht sogar gerade richtig ist?

Die häufigste Antwort ist dann, wenn man zum Beispiel einen Freund oder eine Freundin fragt: das spürst du dann. Ist auch die häufigste Antwort auf: wie weiß ich, dass es Liebe ist? Wann ist der Zeitpunkt für’s erste Mal (das ist die mit Abstand häufigste Frage bei Jugendlichen!)? Wie weiß  ich, ob eine Beziehung an ihrem Ende angelangt ist? Wie weiß ich, ob ich bereit für Kinder/Zusammenziehen/Heiraten bin?  Und so korrekt diese Antwort ist (sie kommt ja nicht von ungefähr, sondern speist sich aus dem persönlichen Hintergrund und aus den Erfahrungen der Person, die da bereitwillig antwortet), so hilflos ist die fragende Person, wenn sie mit dieser Reaktion leben muss und daraus vielleicht etwas basteln soll. Denn die Grundfrage ist ja: WIE und WO spürt man, dass/ob es richtig ist, was man da tun möchte?

Es gibt jetzt viele Möglichkeiten, wie man die Beantwortung der Grundfrage angeht. Eine ist, zu hinterfragen, warum Menschen ihre Gefühle in Zweifel stellen. Eine andere, ein paar anatomische und organische Antworten zu geben. Und wieder eine andere, zur Grundantwort – das spürst du schon – zurückzukehren.

Ich – und mit mir viele TherapeutInnen und BeraterInnen – bin der Ansicht, dass Menschen wissen, was sie wollen. Sie wissen, was sie fühlen und sie wissen auch, in welcher Intensität sie die Dinge herbeisehnen. Also wäre die erste Antwort, die niemand hören will: du weißt, was du willst! In dir ist die Antwort längst da. Sie äußert sich durch deine Frage. So viel zur Tiefenpsychologie.

Instanzenmodell nach Freud

Die Grafik verdeutlicht, was ich damit meine und spricht gleich noch eine Ebene an: die der Außenwelt, also der Normen und Werte. Will heißen, alle Fragen im Bezug auf Beziehung und Sexualität sind durch die Gesellschaft, in der wir leben, (mit)bestimmt und haben in der sozialen Realität, durch die wir geprägt wurden, einen hohen Stellenwert in unserem Empfinden und Erleben – auch oder vielleicht sogar besonders dann, wenn wir es nicht so empfinden (möchten)!

Für besonders Interessierte: Sozialisation (vgl. Pierre Bourdieu: „Sozialisation ist akkummulierte Geschichte.“)

Wir sind also Teil dieser Gesellschaft und reproduzieren durch unsere Gedanken und Gefühle, was wir erlernt haben. Im Bezug auf Sexualität ist diese Prägung eine besonders vielschichte und widersprüchliche. Während in den letzten Jahrhunderten die romantische Liebe überhaupt erst entstand, hat sich die Befreiung des Körpers von den Zwängen der Kirche und der gesellschaftlichen Anforderung der Triebbeherrschung erst in den letzten Jahrzehnten zu vollziehen begonnen. Und auch wenn manche Sexualwissenschaftler die sexuelle Revolution als nicht ungefährlich für die Lust (die ja auch durch das Verbotene angestachelt wird) sehen (vgl. Volkmar Sigusch – Die neosexuelle Revolution), so denke ich, dass die Wahrnehmung der Sexualität und der körperlichen und seelischen Bedürfnisse zu den wunderbarsten Entdeckungen des 20. und 21. Jahrhunderts gehört – wir fühlen und das ist gut so!

Worauf will ich hinaus? Ich möchte sagen, dass wir immer schon wussten, was wir wollten. Und dass die Gesellschaft, die Kirche, die Normen und nicht zuletzt wir selbst uns verboten haben, zu empfinden, was nun mal da war: sei es Lust oder eben keine Lust (das ist noch immer tabuisiert, vor allem bei Männern), sei es das Begehren des eigenen Geschlechts, Selbstbefriedigung, Fetisch oder die Freude am Partnertausch. Durch das Verbieten entstand eine Schwelle und diese Schwelle wird durch Sozialisation weitervererbt. Wir lernen, uns zu beherrschen. Es gibt Wissenschaftler, die der Ansicht sind oder waren, dass diese Selbstbeherrschung Teil des erwachsenen Ichs ist.

Was also müssen wir tun? Wir müssen uns fühlen trauen! Wir brauchen inzwischen Mut, um unsere Gefühle wahrzunehmen. Ein Outing, nur als Beispiel, ist die Akzeptanz von Gefühlen. Und es beginnt in sich selbst. Ein Outing beginnt nicht damit, dass man anderen sagt, was man empfindet, sondern dass man es in sich fühlt und dann danach handelt. Und so gesehen, ist jede sexuelle oder emotionale Handlung, wie ein Kuss oder eine Berührung eine ist, ein Outing. Eines, das in einem selbst und dann erst mit jemand zweitem stattfindet.

Wir brauchen also nicht nur Mut, sondern auch Zeit. Und „hör auf deinen Bauch“ ist kein schlechter Ratschlag. Wieder zur Grundfrage: wo und wie spürt man, was passt? Also, im Bauch ist unser zweites Hirn. Der Darm besteht aus einer gigantischen Anzahl von Nervenzellen und in ihm machen sich Emotionen besonders dann bemerkbar, wenn wir gerade dabei sind, sie zu verdrängen.

Im Bezug auf Sexualität gibt es noch einen zweiten, besonders hilfreichen Partner – das Wort Sexualität leitet sich vom lateinischen sexus ab: das bedeutet Geschlecht. Unser Geschlechtsorgan weiß also ziemlich genau, ob und wie viel und worauf wir gerade Lust haben. Dabei sind die tatsächlichen körperlichen Reaktionen (wie eine Schwellung oder ein Feuchtwerden) eher zweitrangig. Lange, bevor wir eine körperliche Auswirkung der Situation wahrnehmen, gibt es ein Gefühl im Geschlechtsorgan. Es ist so eindeutig, dass man es nicht erklären muss – selbst Kinder wissen genau, was dieses bestimmte Kribbeln zwischen den Beinen bedeutet. Nur dass sie darauf reagieren und Erwachsene tun das nicht. Und weil Erwachsene es ist nicht tun – sie verschieben ihre Lust – verlernen einige von ihnen, ihre Gefühle wahrzunehmen und eindeutig einzuordnen.

Um das – bevor der Artikel ein Buch wird – deutlich zusammenzufassen: wir wissen, was wir wollen und wir wissen auch, wann und in welchem Umfang wir etwas wollen. Ein guter Hinweis auf Situationen, in denen das Timing in Frage gestellt wird (und meist sind es eben die gesellschaftlichen Anforderungen und/oder das eigene Selbstwertgefühl, das uns abhält), ist: wenn alles in dir JA sagt, dann ist es JA. Wenn einiges JA und irgendetwas  NEIN sagt, dann ist es NEIN. Wir alle kennen das. Und trotzdem folgen wir dem Gefühl nicht.

Und in diesem Fall bedeutet Back to the roots: zurück zu den Ursprüngen unserer Gefühle. Als Kinder wussten wir, was wir wollten. Also holen wir es doch wieder raus!

Beziehungsstatus: selbstständig

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Die Vision, dass Beziehungen perfekt sind oder zumindest sein sollten, begleitet uns von früher Kindheit an. Nicht nur, dass wir unsere Eltern und all jene Menschen, die in unserer nächsten Umgebung unser Heranwachsen begleiten, als Vorbilder akzeptieren und von ihnen die Formen und Normen, wie Beziehungen funktionieren, erlernen. Nein, zusätzliche Prägung erfahren wir durch alle Formen der medialen Darstellung von (vermeintlich) glücklichen Beziehungen: durch Lieder (alte Schlager und neue Chartbreaker), Filme (Klassiker und moderne Märchen; die sogenannten „RomComs“ sind ein wichtiger Geschäftszweig), Bücher (vom „jungen Werther“ bis „Twilight“) – sie alle propagieren die eine, die wahre, die einzige und ewige Liebe. Die, die ohne Schwierigkeiten ist, sobald sie begonnen hat. Sobald die (zwei!) Menschen den Weg zueinander gefunden haben, sind die Probleme vorbei. Deswegen bestehen die meisten Drehbücher und Romantexte auch aus dem Weg zur Liebe und nicht aus dem, was danach kommt. Und das nehmen wir mit. Wir suchen und nehmen so vieles auf uns, um zu finden, was uns versprochen wurde: Schmähungen und Rückschläge. Komplimente von Menschen, die uns nicht interessieren und dabei nehmen wir auch in Kauf, dass wir uns für Menschen interessieren, mit denen wir nichts gemeinsam haben. Weil wir auf der Suche sind.

Irgendwann begegnen wir dann einer Person, die das Herz hüpfen lässt, die Schmetterlinge im Bauch tanzen und die Hormone spielen verrückt. Nachdem die erste Phase der Verliebtheit vorbei ist (Studien zufolge ist es nach spätestens einem Jahr soweit), überprüfen wir den Partner/die Partnerin auf ihre Beziehungsfähigkeit. Und in Wahrheit beginnt erst dann der Kampf. Im weiteren Verlauf einer Verbindung werden wir mit unseren Erwartungen und den Wunden unserer Vergangenheit konfrontiert und zusätzlich auch mit jenen des Partners/der Partnerin. Diese Konfrontation führt zu Missverständnissen und Kränkungen, diese wiederum zu Streit, mitunter ohne Ausweg und dann vielleicht oder sogar wahrscheinlich zu einer Trennung.

Quelle: testedich.at

wir geben gerne anderen die Schuld

In unserer anerzogenen Eigenschaft, Beziehungen nur dann als glücklich oder funktionierend zu betrachten, wenn sie konfliktfrei verlaufen bzw. sehr bald ein konstruktiver Kompromiss gefunden wird, beginnen wir in einer ernsthaften Auseinandersetzung allzu leicht, an der Beziehung und der Tragfähigkeit dieser Liebe zu zweifeln. Unter anderem entsteht ein schlechtes Gewissen, wenn wir nein sagen. „Nein, ich will das nicht.“ „Ich möchte alleine sein.“ „Ich möchte nicht zusammenziehen/heiraten/Kinder bekommen.“

Um die Beziehung zur geliebten Person aufrecht erhalten zu können, müssen wir uns fragen: ist es tatsächlich ein Zeichen für mangelnde Liebe, wenn wir mal nein sagen? Oder wenn wir nicht die gleichen Ziele verfolgen? Und im Endeffekt bleibt die Frage: und wenn kein Kompromiss gefunden wird, können wir dann zusammenbleiben? Sind wir noch ein Paar, wenn er/sie/ich allein sein/(nicht) zusammenziehen/heiraten/Kinder möchte? Diese eine Frage begegnet uns, auf die eine oder andere Weise, in jeder Beziehung. Und das ist nicht nur natürlich, es ist sogar notwendig. Wir sind eigenständige Menschen – bis wir eine Beziehung eingehen!? Was wie Sarkasmus klingt, ist die blanke Realität. Wir vergessen gerne, dass wir Charaktere sind, die ohne diese eine Beziehung existiert und gelebt haben und auch, dass wir zuvor ebenfalls glücklich waren, nicht erst, als wir diese eine, diese besondere Person trafen. Und auch, wenn wir nun Teil eines gemeinsamen Lebens sind, bedeutet das nicht, dass wir nicht mehr wir selbst sind: mit unseren Eigenheiten, Stärken, Schwächen und mit unseren Grenzen! Diese Charaktereigenschaften haben uns zu dem Menschen gemacht, der von unserem Gegenüber geliebt wird. Warum sie also aufgeben? Weil wir, wie schon mehrmals erwähnt, erwarten und hoffen, dass diese eine, diese ewige und einzig wahre Liebe unser Lebensglück beinhaltet und wir deswegen, auch weil wir auf dem Weg dorthin oft schon Entbehrungen auf uns genommen haben, bereit sind, auf vieles zu verzichten: wir verlieren uns in Beziehungen. Das geschieht vielen Menschen, die meisten bekommen es erst mit, wenn sie es nicht ohne große Schnitte rückgängig machen könnten – der Zeitpunkt, an dem die Liebe in die Brüche geht.

Was also tun? Es klingt einfach, ist aber schwierig: sei du selbst. Bleib du selbst. Steh zu dir. Du bist super, wie du bist. Und wenn du dich veränderst, so geschieht das durch dich und nicht durch deine/n PartnerIn! Wir haben Angst, vor Verlust und vor Verletzungen. Dass die Wahrscheinlichkeit, verletzt zu werden und jemanden zu verlieren, größer ist, wenn wir nicht selbst sind, vergessen wir gerne.

Und falls es endet, gibt es doch einen wichtigen Hoffnungsschimmer: die nächste Beziehung kommt bestimmt. Und damit eine neue Chance, wir selbst zu sein.

Weiterlesen:

Phasen der Partnerschaft – focus.de
Wenn aus Leidenschaft Liebe wird – welt.de

Hilfsmittel

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Jede und jeder von uns hat das schon mal gesehen: Dinge, die Sex versprechen. Oder anders: sexuelle Lust. Sexuelle Attraktivität.

Und hier meine ich nicht einfach diese standardisierten pornographischen Werbungen, wenn man sich im Internet einen Film ansieht. Ich meine das, was einem im Alltag – im Geschäft oder einfach, wenn man fernsieht, begegnet.

So etwas meine ich beispielsweise:

Schuhbeck's Gewürze - Sexgewürz

Ich sah dieses Gewürz vor einigen Monaten in einem Wiener Supermarkt und dachte bei mir: ach, das jetzt auch schon? Ich vermute, wie auf dem Bild über der Beschriftung angedeutet, sind aphrodisierende Gewürze enthalten. Man schreibt folgenden Lebensmitteln aphrodisierende (= sexuell anregende) Wirkung zu:

  • Spargel
  • Anis
  • Ingwer
  • Chili
  • Schokolade
  • Ginseng

und sicher noch jede Menge mehr. Jedenfalls verbindet man mit diesen Gewürzen und Nahrungsmitteln eine die Libido steigernde Reaktion. Und was eigentlich etwas für den Hausgebrauch ist, wird von einem findigen Koch und einer Werbeagentur als Verkaufsargument missbraucht.

Bitte mich nicht falsch zu verstehen: ich verurteile niemanden und sogar nicht einmal eine Firma, wenn er/sie etwas zur Libidosteigerung versucht. Problematisch ist es meiner Ansicht nach allerdings dann, wenn für alles nur ein Mittelchen gefunden werden muss, damit’s „wieder läuft“. Denn: ist nicht genau diese Person das Ziel solcher Werbeavancen? Jemand, der in seiner Verbändelung (welcher Art auch immer diese sein mag) ein sexuelles Gefühl, das er/sie aus den Anfangstagen/-stunden dieser Verbindung noch kennt, an das er/sie sich noch erinnert, aber eben nicht mehr so wahrnehmen kann, vermisst. Und zwar so schmerzlich vermisst, dass er oder sie so vieles zu tun bereit ist, sei es, Sexgewürz unter die allabendliche Speise zu mischen oder auch einen Schritt weiterzugehen und für diese Beziehung ungewöhnliche Spielarten der Lust vorzuschlagen oder anzuwenden.

Oder aber – und hier ist, was ich eigentlich sagen wollte: sexuelle Lust kriegt man am Anfang einer Beziehung geschenkt. Dann lässt der Hormonschub aus der Verliebtheitsphase etwas nach (zum Glück, Menschen werden auf Dauer völlig verrückt von dem Hormoncocktail) und wir sehen den Menschen, wie er ist: auch mal mürrisch oder faul. Oder krank. Und niemand ist perfekt. Da fällt es dann schwer, ganz ungestüm jemanden zu erobern, den man ja eigentlich schon kennt.

Also muss man was dafür tun – beziehungsweise: nein, man muss nicht. Aber man kann. Und das reicht vom simplen Gedanken: „das finde ich schön an dir“ und dem Versuch, etwas Spannung durch einen Überraschungseffekt einzubringen bis hin zur Paar- bzw. Sexualberatung. Es gibt Möglichkeiten! Und weil jede Verbindung einzigartig ist, gibt es auch keinen Standardsex. Zum Glück.

Und das Gewürz? Ist zum Drüberstreuen.

Typisch?

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Wie viel wissen wir eigentlich von den Menschen, die als „schwul“ oder „lesbisch“ oder auch „bisexuell“ bezeichnet werden? Jede und jeder hat damit einen eigenen Umgang, und sei er noch so problematisch. Es gibt eine Art gesamtgesellschaftliche Übereinkunft, dass „die da“ ja machen können, was sie wollen – allerdings bitte im eigenen Bett (aha! Homosexualität ist nur was für’s Bett …!) und in den „eigenen vier Wänden“. Einige Menschen würden vielleicht noch hinzufügen, dass es Rechte für Homosexuelle geben soll oder muss und wieder einige weniger würden diese Rechte auch aktiv einfordern. So ist also Homo- oder Bisexualität zu einem politischen Thema geworden, das keiner weiteren Betrachtung als der durch die juristische Brille bedarf.

Oder nein – es wurde zu einem politischen Thema degradiert, denn was nicht gern gesehen oder gehört wird, ist: von der heterosexuellen Norm abweichende sexuelle oder andere Beziehungen werden gern oder oft ausgeblendet – „net amoi ignorieren“ oder so ähnlich. Diese Vorgehensweise (und niemand möchte sagen, dass es sich dabei um eine bewusste Vorgehensweise handelt!) hat sogar einen Namen: Heteronormativität und sie ist viel, viel weiter verbreitet als die bewusste Anerkennung von unterschiedlichen L(i)ebensweisen.

Man könnte jetzt sagen, es gibt einige unterschiedliche Weisen, Homo- und Bisexualität (oder jeder anderen Form von Sexualität) zu betrachten:

  1. Ignorieren (also bewusstes „nicht wahrnehmen“)
  2. Schwul ist exotisch – also der Fokus auf das Außergewöhnliche, auf Events wie den Life Ball oder die Regenbogenparade u.ä.
  3. Jede Art von Sexualität ist ok, solang  Erwachsene daran beteiligt sind und niemand gezwungen wird.
  4. Sexualität ist Politik. Für die Rechte von Homosexuellen, Bisexuellen und deren Kinder (vgl. „Regenbogenfamilien“) müssen alle kämpfen, nicht nur die Betroffenen selbst.
  5. Homosexualität ist ekelhaft und muss bekämpft werden, notfalls aus einem religiösen oder biologistischen bzw. auch ideologischen Motiv heraus (vgl. Homophobie)

Diese Liste kann man fast beliebig lange fortsetzen!

Auf welcher Seite stehen die Vorurteile, die Bilder, die Klischees? Man müsste fast sagen: auf jeder Seite – es gibt keine Betrachtungsweise ohne Klischees oder Stereotypen, ohne Vorurteile und Meinungen. Sogar Betroffene selbst haben eindeutige Bilder in sich, anhand derer sie die „homosexuelle“ und die „heterosexuelle“ Welt einteilen. Und ein Schritt weiter: es gibt kaum Menschen ohne Vorurteile!

Und deswegen fallen Klischees jedem von uns ein. Dass eine Lesbe ein dickes Mannsweib mit Maschinen-Haarschnitt ist, sie keinen Mann abgekriegt hat, sie an Penisneid leidet, sich schlecht kleidet, Bier trinkt und Fußball spielt. Dass sie eine langjährige, von Eifersucht geprägte Beziehung ohne Sex führt. Überhaupt ist sie ein männerhassendes, feministisches Monster, sehr „öko“ oder „eso“. Dass ein Schwuler hübsch und gepflegt ist, ein bisschen weibisch vielleicht, aber auf jeden Fall promisk und oberflächlich, also ein verhindertes Mädchen. Er tanzt die ganze Nacht mit unterschiedlichen Männern, auf Droge vielleicht, aber auf jeden Fall mit Poppers in der Nase, Sex hat er dann im Darkroom und das ohne Kondom, weswegen alle Schwulen AIDS haben. Mit der hohen Stimme, dem tuntigen Auftreten und der geschraubten Ausdrucksweise ist der Paradeschwule also perfekt.

Von den Vorurteilen über Bisexuelle gibt es auch genug: meist eine Frau, die nymphoman ist, untreu und gut aussehend, dass es nicht um Liebe, sondern um Sex geht. Dass es demnach bei Bisexuellen keine festen Bindungen gibt, die Geschlechtskrankheiten also Hochzeit feiern. Natürlich können sie sich nicht zwischen den Geschlechtern entscheiden, weswegen sie sich einbilden, in Menschen beider Geschlechter verliebt sein zu können – „in den Menschen und nicht in das Geschlechtsorgan!“.

Klischee??

Was bleibt also übrig, das alles mit Humor zu nehmen?

Oder ist das „mit Humor nehmen“ auch schon wieder falsch, weil es Vorurteile und Klischees bedient und vielleicht sogar untermauert?

Nur eines ist fix: wir sollten nie aufhören, die Klischeebilder, die wir in uns haben, zu hinterfragen. Nicht nur im Hinblick darauf, was davon in uns verhaftet in Form eines Vorurteils ist, sondern auch Witze, die vielleicht ins Respektlose abdriften und mit „Schmäh“ nicht mehr zu erklären oder wegzuwischen sind. Wenn Witze oder Vorurteile zu handfesten Diskriminierungen werden, dann ist es Zeit, einzugreifen. Das betrifft alle Arten von Vorurteilen gegen alle Minderheiten, nicht nur gegen homo-, trans- und bisexuelle Menschen.

Wir sprechen auch in unseren Workshops über Homosexualität und Klischees. Komm einfach vorbei, du bist herzlich willkommen!

Die Attraktivität der Gleichgeschlechtlichkeit

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oder: was ist eigentlich homosexuell?

Ausgelutschtes Thema? Kommt wohl darauf an, wen man fragt. Als es mal einen Workshop mit eben diesem Titel gab, hatten wir Rückmeldungen à la „geht mich nix an, so bin ich nicht“ oder „nein danke, kein Interesse“ und es fühlte sich nicht an wie wenn jemand nicht über das Brotbacken sprechen will. Ist das ein seltsamer Vergleich? Ja, mag sein. Trotzdem – was zu sagen ist: es gab immer und gibt noch immer Ressentiments gegen dieses Thema, gegen das Sprechen darüber und das Nachdenken: wie viel Homosexualität ist in mir?

Die gar nicht soo graue Theorie sagt: in jeder Frau, in jedem Mann ist ein Stück lesbisch oder schwul. Diese Theorie basiert auf langwierigen Befragungen tausender Menschen in den 40er und 50er-Jahren. Die meisten wissen jetzt schon, von wem ich spreche: Alfred Kinsey bzw. den Kinsey-Reports, veröffentlicht 1948 und 1953. Er hat eine Skala entwickelt, simpel und für jeden verständlich:

von Alfred Kinsey erstellte Skala (ab 1941)

Zwischen den Punkten 1 und 5 sind Anteile von Hetero- wie von Homosexualität (andere würden vielleicht „Bisexualität“ sagen) vorhanden. Es gibt also schon Menschen, die sich nicht zum eigenen oder zum anderen Geschlecht hingezogen fühlen, aber der Großteil hat Emotionen und sexuelle Anziehungen für Menschen des eigenen und des anderen Geschlechts empfunden oder tut das noch.

Was also ist homosexuell? In der Sexualpädagogik gibt es eine Art Konsens, der lautet: als lesbisch oder schwul bezeichnet man/sich eine Person, die überwiegend in Menschen des eigenen Geschlechts verliebt ist UND sexuelle Beziehungen zu Personen des eigenen Geschlechts pflegt, also generell eine romantische Beziehung anstrebt. Und Teile einer Beziehung sind, wenn man es aus den derzeitig allgemein gültigen oder anerkannten Perspektiven betrachtet, Liebe, sexuelle Anziehung und Erfüllung, Zukunftswünsche wie gemeinsam Altwerden, eventuell Familiengründung mit Haus, Hund, Kind. Alles in allem also eher traditionell.

Es bleibt so viel Platz für Auseinandersetzung, dazu gibt es auch weiterführende Artikel in der nächsten Zeit!

Wir sprechen auch in unseren Workshops über Homosexualität, schau einfach mal vorbei, wenn dich das Thema interessiert!

Menschliche Sexualität

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Wen fasziniert sie nicht?

Nicht nur, dass sie uns überhaupt erst ins Leben gestoßen hat, sie beschäftigt uns auch vom ersten Tag (ja, auch schon im Bauch!) bis zum letzten Tag unserer Existenz.

Menschen an sich sind sexuelle Wesen, jedoch nicht wie man dies vielleicht über Tiere sagen würde, die rein von Instinkt geleitet ihren Dienst an der biologischen Verpflichtung verrichten – obwohl es auch Tiere gibt, die Spaß am Sex haben – sondern wir tun viel, viel mehr. Viel mehr! Wir verwenden sie regelrecht, für uns und für andere. Für ein höheres Ziel oder die Gesellschaft, in der wir tatsächlich leben oder leben möchten. Und gewissermaßen missbrauchen wir diese Sache (DIE Sache) für all unsere Zwecke. Der Zweck? Wo ist also der Zweck in der menschlichen Sexualität?

Die Antwort wird, je nachdem wen man fragt, sehr unterschiedlich ausfallen. Ein Mensch, der nach religiösen Regeln (welcher Art auch immer) lebt, wird vermutlich Fortpflanzung als ersten Punkt nennen. Und der zweite wäre vielleicht so etwas wie „das gehört in eine Ehe/Beziehung“. Die allermeisten Menschen sagen dann eventuell dazu, dass eine Beziehung monogam ist, man also nur mit dem eigenen Partner sexuelle Intimität austauscht. Einige würden auch den Punkt „emotionale Bindung“ hinzufügen, wobei nicht ganz klar ist, ob Sexualität zwischen PartnerInnen die Bindung vertieft, erst begründet oder ausdrückt.

Dann könnte man einen „Jugendlichen“ (unter Anführungszeichen, denn diese Gruppe gibt’s ja nicht) fragen und er würde auch etwas in der Richtung von monogamer Beziehung (oder einigen monogamen Beziehungen, auch „serielle Monogamie“ genannt) sagen (vgl. „Partnerschaft: Das ewige Ideal“; letzter Absatz auf Seite 1) und dazu noch etwas wie „Spaß“.

Die Frage nach dem Zweck führt automatisch zur Diskussion, was Sexualität eigentlich ist. Sie muss ja quasi auftauchen, wenn man die unterschiedlichen Antworten betrachtet (und natürlich ist es kaum möglich, alle Möglichkeiten einzurechnen oder aufzuzählen, denn so unterschiedlich die Menschen sind, so unterschiedlich sind ihre Einstellungen und Wünsche und Träume in Partnerschaften und anderen sexuellen Beziehungen). Denn wenn nicht allgemeingültig geklärt ist, wovon wir überhaupt reden, wie kann dann die Frage nach dem Zweck überhaupt gestellt werden?

Was also ist Sexualität?

Wenn man eine seriöse Quelle befragt, in diesem Fall die Deutsche Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, lautet die Antwort: „Sexualität ist ein existentielles Grundbedürfnis des Menschen und ein zentraler Bestandteil seiner Identität und Persönlichkeitsentwicklung. Sexualität umfasst sowohl biologische als auch psychosoziale und emotionale Tatbestände und Vorgänge. Die Ausgestaltung von Sexualität deckt ein breites Spektrum von positiven bis zu negativen Aspekten ab, von Zärtlichkeit, Geborgenheit, Lustempfinden, Befriedigung, bis hin zu Gewaltanwendung und Machtausübung. Menschen leben und erleben Sexualität unterschiedlich. Sie ist ein wichtiges Element der individuellen Lebensweise.“ (vgl. Rahmenkonzept zur Sexualaufklärung der BZgA in Abstimmung mit den Bundesländern; Punkt 1)

Haben wir jetzt die Antwort? Vermutlich nicht. Jeder Mensch beantwortet die Frage, was Sexualität ist, individuell und subjektiv.

Sogar über die Bereiche, die in einem Blog oder einem Workshop behandelt oder besprochen werden sollen, gibt es höchst unterschiedliche Meinungen, die aufgrund ideologischer und religiöser Grenzen zu teils gewalttätigen Auseinandersetzungen geführt hat und dies vermutlich auch immer tun wird. Viele, vor allem Eltern (noch so eine Gruppe, die keine ist), würden wahrscheinlich Aufklärung oder Verhütung nennen. Denn was, wenn nicht ein Konvolut an Informationen fehlt den Menschen? Oder lieber über Minderheiten? Also eigene Workshops und eigene Blogs und eigene Bücher über Homosexualität und andere sexuelle Orientierungen oder Menschen mit Behinderungen? Sollen wir über Gesundheit sprechen? Oder lieber von hinten aufzäumen: über Krankheiten? Über Enthaltsamkeit als Schutz vor Erkrankungen, ungewollter Schwangerschaft und Sittenverfall?

Wie wäre es zur Abwechslung, wenn man über die Dinge spräche, die auch von Interesse sind: alle! Es gibt keinen Teilbereich von Sexualität, der nicht besprechbar ist oder es sein sollte.

Und weil das Thema so groß, der Bereich so riesig und unüberschaubar ist, deswegen wollen wir uns mit den einzelnen Aspekten der menschlichen Sexualität beschäftigen.

Darum also dieser Blog. Und wenn jemand eine Idee hat, worüber es sich zu recherchieren und schreiben lohnt oder auch nur eine Frage oder eine Beschwerde, Anregung oder irgendeine andere Form von Input hat – immer her damit!