Archiv der Kategorie: Homosexualität

Sexual- und Paarberatung

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Sexual- und Paarberatung

Ab sofort bieten wir als Verein Beratungen an.

Ab sofort bietet unsere Obfrau Sara Mayer-Mraz als Lebensberaterin in Ausbildung unter Supervision Beratungsstunden für Einzelpersonen, Paare und andere einander nahestehende Personen (throuples, enge Freundschaften, WG-Bewohner*innen, …) zum reduzierten Tarif von 30 Euro pro Stunde (Erstgespräch € 5,–) an.

Schwerpunktthemen:
* Alternative Beziehungsformen
* ALGBTIQ*-Beziehungen und Outingprozesse
* Außenbeziehungen
* Identitätsfindungsprozesse
* Berufsorientierung und Studienwahl
* Prozesse des Abschließens und Loslassens, des Neubeginns sowie
* Erziehungsthemen.

Sie finden in entspannter, respektvoller Atmosphäre eine Gesprächspartnerin auf Augenhöhe. Die Anerkennung aller noch so widersprüchlichen Gefühle, die Möglichkeit, Dinge aus einer neuen Perspektive zu betrachten und ein lustbejahender, lebensfroher Zugang sind die Kennzeichen einer Beratung bei Sara Mayer-Mraz.

Rufen Sie an, schreiben Sie ein Mail. Wir bieten auch kurzfristige Termine an! Gemeinsam finden wir im Erstgespräch heraus, was die aktuellen Themen in Ihrem Leben sind und ob eine Beratung Sinn macht und helfen kann. Fragen kostet nix + beim Reden kommen die Leut‘ zam!

Angesprochen: Ausgesprochen! Plakatkampagne an Wiener Schulen

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Angesprochen: Ausgesprochen! Plakatkampagne an Wiener Schulen

Auch wenn der Anlass nicht brandaktuell ist, das Thema LGBTIQ an Schulen ist es allemal.

 

Die Hintergründe: Der Verein Ausgesprochen: Schwule, lesbische, bi, trans & inter Lehrer*innen in Österreich, hat eine Plakatkampagne entworfen. Die Plakatsujets, fünf an der Zahl, wurden in einer Auflage von 3500 Stück an 700 Wiener Schulen verschickt. Bereits letztes Jahr erarbeitet und angekündigt, wurde die Umsetzung in Folge zahlreicher Proteste verzögert, unter anderem vom Elternverband und dem katholischen Familienverband.

Es wurde unter anderem eine Petition mit dem Namen ‚Keine Gender-Indoktrinationsplakate in Wiener Schulen!‘ initiiert, die es schaffte fast 9.000 Unterschriften zu sammeln. Man warnt davor, dass durch die Kampagne „hinter dem Rücken der Eltern die Schüler sexualpädagogisch verwirrt und indoktriniert werden“. Es werde die „Idee des Gender Mainstreaming propagiert“.

Hierzu eine kurze Erläuterung: Die Plakate wurden an die Direktionen der 700 Schulen ausgeschickt, mit der Absicht vor allem Lehrer*innen für LGBTIQ Themen im Schulalltag zu sensibilisieren. Es unterliegt der Schulautonomie, ob und wie die Plakate in die Praxis einfließen, es besteht kein Zwang zur Umsetzung. Als Reaktion auf Kritik wurden Workshops für Lehrer*innen abgehalten, um die Sujets in einen Rahmen einzubetten und pädagogisches Werkzeug zu ihrer möglichen Umsetzung zu liefern.

Es ist problematisch wenn in diesem Kontext von „Propaganda“ und „Indoktrination“ gesprochen wird. Niemand wird zum Beispiel transident, wenn er* oder sie* in einem Workshop darüber lernt. Im besten Falle hilft es jungen Menschen, die so empfinden, dieses bereits vorhandene Gefühl zu benennen und sich selbst besser zu verstehen. Vielleicht kann es Leidensdruck lindern, Optionen aufzeigen, Wege bereiten zu einem glücklich(er)en Leben. Ganz sicher jedoch ist die Auseinandersetzung damit nicht die Ursache für das Gefühl.

Es geht nicht darum, etwas zu „bewerben“, nicht darum die Welt zu „homofizieren“ oder dergleichen. Vielmehr geht es darum, Realitäten zu benennen. Menschen, die (oft im Verborgenen) existieren, eine Stimme zu geben. Zu zeigen dass es „ok ist, so und so zu sein“. Nicht zu verwechseln mit „seid doch bitte auch so“. Klarer Unterschied.

Noch immer sind Selbstmordraten und psychische Krankheiten bei LGBTIQ Jugendlichen* bedeutend höher als bei ihren Altersgenossen*. Und NEIN, das ist nicht die Ursache für das Empfinden, sondern eine Folge von einer Reihen von Diskriminierungen. Das geht von nicht-gesehen-werden bis hin zu offener Gewalt. Mobbing von LGBTIQ Jugendlichen* ist Realität.

Es geht nicht darum, alles und jeden „toll“ zu finden. Es geht darum einen sicher(er)en Ort für unsere Kinder zu schaffen, wie auch immer sie fühlen, lieben und begehren mögen. Es geht um Respekt, um ein Miteinander, in dem Platz ist für Vielfalt. Große Worte. Kleine Taten wie die Plakatkampagne von Ausgesprochen: Ja bitte!

Sex und Gesellschaft

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Es ist ein altes Thema, vielleicht sogar ein leidiges, trotzdem ist es brandaktuell: was ist richtig oder falsch im Bezug auf sexuelles Verhalten? Damit gemeint sind nicht Dinge wie Verhütung oder Stellungen – es ist viel banaler. Die häufigste Frage, die ich von Frauen gestellt bekomme, wenn sie häufig wechselnde SexualpartnerInnen haben (und ja, nur Frauen fragen das – Männer haben mit diesem Umstand nach wie vor keine Schwierigkeiten!), lautet: „Bin ich eine Schlampe?“ oder so etwas wie „Bin ich verhurt?“. Mich erschreckt die Frage jedes Mal wieder, vor allem, weil sie von Frauen zu kommen scheint, die sehr selbstbewusst mit sich, ihrem Körper und ihrer Sexualität umgehen.

Und dann – auf der anderen Seite – bin ich dann doch nicht so schockiert: wurde uns nicht all die Jahre und Jahrzehnte und im Grunde sogar Jahrhunderte (wenn man nach Bourdieu geht) gesagt und mitgegeben, dass eine Frau eine unterlegene Sexualität hat (selbst Freud hat das noch geglaubt) und war es nicht schon in der Kindheit ein Thema, was man anzuziehen hat und was nicht? Wurde nicht Madonna in den frühen Neunzigern von der Mehrheit der (weiblichen!) Bevölkerung als Hure und Schlampe bezeichnet, weil sie sich über ihre Sexualität geäußert hat und weil sie so frei und offen damit umgegangen ist?

Madonna in den frühen 90ern

Und ist es nicht verwunderlich, dass diese Bilder vermutlich auch 20 Jahre nach ihrem Entstehen für einen leichten, leisen Schock sorgen? Und zwar eindeutig nicht, weil jemand das in der Öffentlichkeit macht, sondern weil es überhaupt jemanden gibt, der sich zu seiner Sexualität bekennt und sie als Vorbild (und natürlich auch aus Publicity-Gründen) darstellt?

Im Grunde bleibt nur eines zu sagen: Sexualität ist Privatsache. Was jemand macht oder mit wem oder aus welchem Grund, das geht nur die handelnde/n Person/en etwas an und wer jemand anderen dafür verurteilt, tut das wahrscheinlich nur aus einem Grund: Neid. Und wir selbst? Verurteilen uns auch dafür. Und damit ist eines der Ziele der Emanzipation nicht erreicht, nämlich die Befreiung der Sexualität aus der gesellschaftlichen/kirchlichen Umklammerung.
Und noch eins: wir haben unsere Körper, um gut damit umzugehen. Und gut bedeutet: pass drauf auf – aber das bedeutet bei weitem nicht, zu Dingen, die man gerne hat, nein zu sagen. Vielmehr bedeutet das, von Krankheiten und anderen schädlichen Einflüssen Abstand zu halten und Verantwortung für das eigene (Sexual)Leben  zu übernehmen.

Das ist eine wesentliche Aufgabe der Sexualerziehung und später auch der Sexualpädagogik.

 

Nachtrag: Das Sexualverhalten von Frauen bzw. die Meinung über dieses Sexualverhalten ist historisch gewachsen. Zwar gab es immer Verhütungsmittel (wie zB Kondome aus Gedärmen und Leder), allerdings waren sie alle für den Mann oder sie waren Notfallsbehelfe für die Frau, wie zB eine Scheidenspülungen aus unterschiedlichen Kräutern. Erst in den 1960ern wurde das Verhütungsmittel für die Frau erfunden, das wir heute alle so schätzen: die Antibabypille. Erst durch sie wurde die selbstbestimmte Form der Sexualität für die Frauen möglich, wie man sie heute kennt. Trotzdem (oder vielleicht deshalb – am Anfang mussten Ärzte die Pille nicht verschreiben und es gab auch Befürchtungen, die Frauen könnten promisk leben) hat sich das alte Muster noch nicht verflüchtigt.

Männer konnten früher nie sicher sein, ob das Kind, das die Frau gerade austrug, von ihnen war. Deswegen (und natürlich wegen der ganzen Erbschaftsangelegenheiten) wurde den Frauen die Verantwortung für ihren Körper insofern entzogen, als man ihnen einredete, Sex sei nur für die Fortpflanzung und nur innerhalb der Ehe in Ordnung und alle außer- und vorehelichen sexuellen Beziehungen verteufelte. Dieses System hat sich über die Jahrhunderte bewährt und verfestigt und findet auch heute noch in ihrer Restriktion gegen die freie Ausübung der weiblichen Sexualität ihre Ausprägung.

 

Bourdieu: „Die gesellschaftliche Welt ist akkumulierte Geschichte.“

Timing

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Eine häufige Frage, die Menschen sich grundsätzlich immer wieder stellen und die auch Thema in Sexualberatungen bzw. sexualpädgogischen Workshops ist, lautet: wie weiß ich, dass er/sie will? Und eine andere, recht ähnliche: wann ist der richtige Zeitpunkt gekommen, um einen Schritt weiterzugehen? Oder anders: wie weiß ich, ob der Schritt, den ich gerade tun möchte, zu viel oder zu wenig oder vielleicht sogar gerade richtig ist?

Die häufigste Antwort ist dann, wenn man zum Beispiel einen Freund oder eine Freundin fragt: das spürst du dann. Ist auch die häufigste Antwort auf: wie weiß ich, dass es Liebe ist? Wann ist der Zeitpunkt für’s erste Mal (das ist die mit Abstand häufigste Frage bei Jugendlichen!)? Wie weiß  ich, ob eine Beziehung an ihrem Ende angelangt ist? Wie weiß ich, ob ich bereit für Kinder/Zusammenziehen/Heiraten bin?  Und so korrekt diese Antwort ist (sie kommt ja nicht von ungefähr, sondern speist sich aus dem persönlichen Hintergrund und aus den Erfahrungen der Person, die da bereitwillig antwortet), so hilflos ist die fragende Person, wenn sie mit dieser Reaktion leben muss und daraus vielleicht etwas basteln soll. Denn die Grundfrage ist ja: WIE und WO spürt man, dass/ob es richtig ist, was man da tun möchte?

Es gibt jetzt viele Möglichkeiten, wie man die Beantwortung der Grundfrage angeht. Eine ist, zu hinterfragen, warum Menschen ihre Gefühle in Zweifel stellen. Eine andere, ein paar anatomische und organische Antworten zu geben. Und wieder eine andere, zur Grundantwort – das spürst du schon – zurückzukehren.

Ich – und mit mir viele TherapeutInnen und BeraterInnen – bin der Ansicht, dass Menschen wissen, was sie wollen. Sie wissen, was sie fühlen und sie wissen auch, in welcher Intensität sie die Dinge herbeisehnen. Also wäre die erste Antwort, die niemand hören will: du weißt, was du willst! In dir ist die Antwort längst da. Sie äußert sich durch deine Frage. So viel zur Tiefenpsychologie.

Instanzenmodell nach Freud

Die Grafik verdeutlicht, was ich damit meine und spricht gleich noch eine Ebene an: die der Außenwelt, also der Normen und Werte. Will heißen, alle Fragen im Bezug auf Beziehung und Sexualität sind durch die Gesellschaft, in der wir leben, (mit)bestimmt und haben in der sozialen Realität, durch die wir geprägt wurden, einen hohen Stellenwert in unserem Empfinden und Erleben – auch oder vielleicht sogar besonders dann, wenn wir es nicht so empfinden (möchten)!

Für besonders Interessierte: Sozialisation (vgl. Pierre Bourdieu: „Sozialisation ist akkummulierte Geschichte.“)

Wir sind also Teil dieser Gesellschaft und reproduzieren durch unsere Gedanken und Gefühle, was wir erlernt haben. Im Bezug auf Sexualität ist diese Prägung eine besonders vielschichte und widersprüchliche. Während in den letzten Jahrhunderten die romantische Liebe überhaupt erst entstand, hat sich die Befreiung des Körpers von den Zwängen der Kirche und der gesellschaftlichen Anforderung der Triebbeherrschung erst in den letzten Jahrzehnten zu vollziehen begonnen. Und auch wenn manche Sexualwissenschaftler die sexuelle Revolution als nicht ungefährlich für die Lust (die ja auch durch das Verbotene angestachelt wird) sehen (vgl. Volkmar Sigusch – Die neosexuelle Revolution), so denke ich, dass die Wahrnehmung der Sexualität und der körperlichen und seelischen Bedürfnisse zu den wunderbarsten Entdeckungen des 20. und 21. Jahrhunderts gehört – wir fühlen und das ist gut so!

Worauf will ich hinaus? Ich möchte sagen, dass wir immer schon wussten, was wir wollten. Und dass die Gesellschaft, die Kirche, die Normen und nicht zuletzt wir selbst uns verboten haben, zu empfinden, was nun mal da war: sei es Lust oder eben keine Lust (das ist noch immer tabuisiert, vor allem bei Männern), sei es das Begehren des eigenen Geschlechts, Selbstbefriedigung, Fetisch oder die Freude am Partnertausch. Durch das Verbieten entstand eine Schwelle und diese Schwelle wird durch Sozialisation weitervererbt. Wir lernen, uns zu beherrschen. Es gibt Wissenschaftler, die der Ansicht sind oder waren, dass diese Selbstbeherrschung Teil des erwachsenen Ichs ist.

Was also müssen wir tun? Wir müssen uns fühlen trauen! Wir brauchen inzwischen Mut, um unsere Gefühle wahrzunehmen. Ein Outing, nur als Beispiel, ist die Akzeptanz von Gefühlen. Und es beginnt in sich selbst. Ein Outing beginnt nicht damit, dass man anderen sagt, was man empfindet, sondern dass man es in sich fühlt und dann danach handelt. Und so gesehen, ist jede sexuelle oder emotionale Handlung, wie ein Kuss oder eine Berührung eine ist, ein Outing. Eines, das in einem selbst und dann erst mit jemand zweitem stattfindet.

Wir brauchen also nicht nur Mut, sondern auch Zeit. Und „hör auf deinen Bauch“ ist kein schlechter Ratschlag. Wieder zur Grundfrage: wo und wie spürt man, was passt? Also, im Bauch ist unser zweites Hirn. Der Darm besteht aus einer gigantischen Anzahl von Nervenzellen und in ihm machen sich Emotionen besonders dann bemerkbar, wenn wir gerade dabei sind, sie zu verdrängen.

Im Bezug auf Sexualität gibt es noch einen zweiten, besonders hilfreichen Partner – das Wort Sexualität leitet sich vom lateinischen sexus ab: das bedeutet Geschlecht. Unser Geschlechtsorgan weiß also ziemlich genau, ob und wie viel und worauf wir gerade Lust haben. Dabei sind die tatsächlichen körperlichen Reaktionen (wie eine Schwellung oder ein Feuchtwerden) eher zweitrangig. Lange, bevor wir eine körperliche Auswirkung der Situation wahrnehmen, gibt es ein Gefühl im Geschlechtsorgan. Es ist so eindeutig, dass man es nicht erklären muss – selbst Kinder wissen genau, was dieses bestimmte Kribbeln zwischen den Beinen bedeutet. Nur dass sie darauf reagieren und Erwachsene tun das nicht. Und weil Erwachsene es ist nicht tun – sie verschieben ihre Lust – verlernen einige von ihnen, ihre Gefühle wahrzunehmen und eindeutig einzuordnen.

Um das – bevor der Artikel ein Buch wird – deutlich zusammenzufassen: wir wissen, was wir wollen und wir wissen auch, wann und in welchem Umfang wir etwas wollen. Ein guter Hinweis auf Situationen, in denen das Timing in Frage gestellt wird (und meist sind es eben die gesellschaftlichen Anforderungen und/oder das eigene Selbstwertgefühl, das uns abhält), ist: wenn alles in dir JA sagt, dann ist es JA. Wenn einiges JA und irgendetwas  NEIN sagt, dann ist es NEIN. Wir alle kennen das. Und trotzdem folgen wir dem Gefühl nicht.

Und in diesem Fall bedeutet Back to the roots: zurück zu den Ursprüngen unserer Gefühle. Als Kinder wussten wir, was wir wollten. Also holen wir es doch wieder raus!

Hilfsmittel

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Jede und jeder von uns hat das schon mal gesehen: Dinge, die Sex versprechen. Oder anders: sexuelle Lust. Sexuelle Attraktivität.

Und hier meine ich nicht einfach diese standardisierten pornographischen Werbungen, wenn man sich im Internet einen Film ansieht. Ich meine das, was einem im Alltag – im Geschäft oder einfach, wenn man fernsieht, begegnet.

So etwas meine ich beispielsweise:

Schuhbeck's Gewürze - Sexgewürz

Ich sah dieses Gewürz vor einigen Monaten in einem Wiener Supermarkt und dachte bei mir: ach, das jetzt auch schon? Ich vermute, wie auf dem Bild über der Beschriftung angedeutet, sind aphrodisierende Gewürze enthalten. Man schreibt folgenden Lebensmitteln aphrodisierende (= sexuell anregende) Wirkung zu:

  • Spargel
  • Anis
  • Ingwer
  • Chili
  • Schokolade
  • Ginseng

und sicher noch jede Menge mehr. Jedenfalls verbindet man mit diesen Gewürzen und Nahrungsmitteln eine die Libido steigernde Reaktion. Und was eigentlich etwas für den Hausgebrauch ist, wird von einem findigen Koch und einer Werbeagentur als Verkaufsargument missbraucht.

Bitte mich nicht falsch zu verstehen: ich verurteile niemanden und sogar nicht einmal eine Firma, wenn er/sie etwas zur Libidosteigerung versucht. Problematisch ist es meiner Ansicht nach allerdings dann, wenn für alles nur ein Mittelchen gefunden werden muss, damit’s „wieder läuft“. Denn: ist nicht genau diese Person das Ziel solcher Werbeavancen? Jemand, der in seiner Verbändelung (welcher Art auch immer diese sein mag) ein sexuelles Gefühl, das er/sie aus den Anfangstagen/-stunden dieser Verbindung noch kennt, an das er/sie sich noch erinnert, aber eben nicht mehr so wahrnehmen kann, vermisst. Und zwar so schmerzlich vermisst, dass er oder sie so vieles zu tun bereit ist, sei es, Sexgewürz unter die allabendliche Speise zu mischen oder auch einen Schritt weiterzugehen und für diese Beziehung ungewöhnliche Spielarten der Lust vorzuschlagen oder anzuwenden.

Oder aber – und hier ist, was ich eigentlich sagen wollte: sexuelle Lust kriegt man am Anfang einer Beziehung geschenkt. Dann lässt der Hormonschub aus der Verliebtheitsphase etwas nach (zum Glück, Menschen werden auf Dauer völlig verrückt von dem Hormoncocktail) und wir sehen den Menschen, wie er ist: auch mal mürrisch oder faul. Oder krank. Und niemand ist perfekt. Da fällt es dann schwer, ganz ungestüm jemanden zu erobern, den man ja eigentlich schon kennt.

Also muss man was dafür tun – beziehungsweise: nein, man muss nicht. Aber man kann. Und das reicht vom simplen Gedanken: „das finde ich schön an dir“ und dem Versuch, etwas Spannung durch einen Überraschungseffekt einzubringen bis hin zur Paar- bzw. Sexualberatung. Es gibt Möglichkeiten! Und weil jede Verbindung einzigartig ist, gibt es auch keinen Standardsex. Zum Glück.

Und das Gewürz? Ist zum Drüberstreuen.

Typisch?

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Wie viel wissen wir eigentlich von den Menschen, die als „schwul“ oder „lesbisch“ oder auch „bisexuell“ bezeichnet werden? Jede und jeder hat damit einen eigenen Umgang, und sei er noch so problematisch. Es gibt eine Art gesamtgesellschaftliche Übereinkunft, dass „die da“ ja machen können, was sie wollen – allerdings bitte im eigenen Bett (aha! Homosexualität ist nur was für’s Bett …!) und in den „eigenen vier Wänden“. Einige Menschen würden vielleicht noch hinzufügen, dass es Rechte für Homosexuelle geben soll oder muss und wieder einige weniger würden diese Rechte auch aktiv einfordern. So ist also Homo- oder Bisexualität zu einem politischen Thema geworden, das keiner weiteren Betrachtung als der durch die juristische Brille bedarf.

Oder nein – es wurde zu einem politischen Thema degradiert, denn was nicht gern gesehen oder gehört wird, ist: von der heterosexuellen Norm abweichende sexuelle oder andere Beziehungen werden gern oder oft ausgeblendet – „net amoi ignorieren“ oder so ähnlich. Diese Vorgehensweise (und niemand möchte sagen, dass es sich dabei um eine bewusste Vorgehensweise handelt!) hat sogar einen Namen: Heteronormativität und sie ist viel, viel weiter verbreitet als die bewusste Anerkennung von unterschiedlichen L(i)ebensweisen.

Man könnte jetzt sagen, es gibt einige unterschiedliche Weisen, Homo- und Bisexualität (oder jeder anderen Form von Sexualität) zu betrachten:

  1. Ignorieren (also bewusstes „nicht wahrnehmen“)
  2. Schwul ist exotisch – also der Fokus auf das Außergewöhnliche, auf Events wie den Life Ball oder die Regenbogenparade u.ä.
  3. Jede Art von Sexualität ist ok, solang  Erwachsene daran beteiligt sind und niemand gezwungen wird.
  4. Sexualität ist Politik. Für die Rechte von Homosexuellen, Bisexuellen und deren Kinder (vgl. „Regenbogenfamilien“) müssen alle kämpfen, nicht nur die Betroffenen selbst.
  5. Homosexualität ist ekelhaft und muss bekämpft werden, notfalls aus einem religiösen oder biologistischen bzw. auch ideologischen Motiv heraus (vgl. Homophobie)

Diese Liste kann man fast beliebig lange fortsetzen!

Auf welcher Seite stehen die Vorurteile, die Bilder, die Klischees? Man müsste fast sagen: auf jeder Seite – es gibt keine Betrachtungsweise ohne Klischees oder Stereotypen, ohne Vorurteile und Meinungen. Sogar Betroffene selbst haben eindeutige Bilder in sich, anhand derer sie die „homosexuelle“ und die „heterosexuelle“ Welt einteilen. Und ein Schritt weiter: es gibt kaum Menschen ohne Vorurteile!

Und deswegen fallen Klischees jedem von uns ein. Dass eine Lesbe ein dickes Mannsweib mit Maschinen-Haarschnitt ist, sie keinen Mann abgekriegt hat, sie an Penisneid leidet, sich schlecht kleidet, Bier trinkt und Fußball spielt. Dass sie eine langjährige, von Eifersucht geprägte Beziehung ohne Sex führt. Überhaupt ist sie ein männerhassendes, feministisches Monster, sehr „öko“ oder „eso“. Dass ein Schwuler hübsch und gepflegt ist, ein bisschen weibisch vielleicht, aber auf jeden Fall promisk und oberflächlich, also ein verhindertes Mädchen. Er tanzt die ganze Nacht mit unterschiedlichen Männern, auf Droge vielleicht, aber auf jeden Fall mit Poppers in der Nase, Sex hat er dann im Darkroom und das ohne Kondom, weswegen alle Schwulen AIDS haben. Mit der hohen Stimme, dem tuntigen Auftreten und der geschraubten Ausdrucksweise ist der Paradeschwule also perfekt.

Von den Vorurteilen über Bisexuelle gibt es auch genug: meist eine Frau, die nymphoman ist, untreu und gut aussehend, dass es nicht um Liebe, sondern um Sex geht. Dass es demnach bei Bisexuellen keine festen Bindungen gibt, die Geschlechtskrankheiten also Hochzeit feiern. Natürlich können sie sich nicht zwischen den Geschlechtern entscheiden, weswegen sie sich einbilden, in Menschen beider Geschlechter verliebt sein zu können – „in den Menschen und nicht in das Geschlechtsorgan!“.

Klischee??

Was bleibt also übrig, das alles mit Humor zu nehmen?

Oder ist das „mit Humor nehmen“ auch schon wieder falsch, weil es Vorurteile und Klischees bedient und vielleicht sogar untermauert?

Nur eines ist fix: wir sollten nie aufhören, die Klischeebilder, die wir in uns haben, zu hinterfragen. Nicht nur im Hinblick darauf, was davon in uns verhaftet in Form eines Vorurteils ist, sondern auch Witze, die vielleicht ins Respektlose abdriften und mit „Schmäh“ nicht mehr zu erklären oder wegzuwischen sind. Wenn Witze oder Vorurteile zu handfesten Diskriminierungen werden, dann ist es Zeit, einzugreifen. Das betrifft alle Arten von Vorurteilen gegen alle Minderheiten, nicht nur gegen homo-, trans- und bisexuelle Menschen.

Wir sprechen auch in unseren Workshops über Homosexualität und Klischees. Komm einfach vorbei, du bist herzlich willkommen!

Diskriminierung oder was?

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Gleichbehandlungsgebot im Zusammenhang mit einem Arbeitsverhältnis

§ 17. (1) Auf Grund der ethnischen Zugehörigkeit, der Religion oder Weltanschauung, des Alters oder der sexuellen Orientierung darf im Zusammenhang mit einem Arbeitsverhältnis niemand unmittelbar oder mittelbar diskriminiert werden, insbesondere nicht

1. bei der Begründung des Arbeitsverhältnisses,
2. bei der Festsetzung des Entgelts,
3. bei der Gewährung freiwilliger Sozialleistungen, die kein Entgelt darstellen,
4. bei Maßnahmen der Aus- und Weiterbildung und Umschulung,
5. beim beruflichen Aufstieg, insbesondere bei Beförderungen,
6. bei den sonstigen Arbeitsbedingungen,
7. bei der Beendigung des Arbeitsverhältnisses.

Begriffsbestimmungen

§ 19. (1) Eine unmittelbare Diskriminierung liegt vor, wenn eine Person auf Grund eines in § 17 genannten Grundes in einer vergleichbaren Situation eine weniger günstige Behandlung erfährt, als eine andere Person erfährt, erfahren hat oder erfahren würde.

(2) Eine mittelbare Diskriminierung liegt vor, wenn dem Anschein nach neutrale Vorschriften, Kriterien oder Verfahren Personen, die einer ethnischen Gruppe angehören, oder Personen mit einer bestimmten Religion oder Weltanschauung, eines bestimmten Alters oder mit einer bestimmten sexuellen Orientierung gegenüber anderen Personen in besonderer Weise benachteiligen können, es sei denn, die betreffenden Vorschriften, Kriterien oder Verfahren sind durch ein rechtmäßiges Ziel sachlich gerechtfertigt und die Mittel sind  zur Erreichung dieses Zieles angemessen und erforderlich.

(3) Eine Diskriminierung liegt auch bei Anweisung einer Person zur Diskriminierung vor.

(4) Eine Diskriminierung liegt auch vor, wenn eine Person auf Grund ihres Naheverhältnisses zu einer Person wegen deren ethnischer Zugehörigkeit, deren Religion oder Weltanschauung, deren Alters oder deren sexueller Orientierung diskriminiert wird.“ (zitiert nach dem österreichischen Gleichbehandlungsgesetz, Fassung 2004)

Natürlich bezieht sich das Gesetz nicht ausschließlich auf den Arbeitsbereich, aber dort sollte es zuerst Anwendung finden. Dass Österreich die Minimal-Version dieser EU-Richtlinie (Originaltext, Jahr 2000) umgesetzt hat, ist leider auch Fakt und war Gegenstand zahlreicher Diskussionen (siehe unten).

Und wenn man die Entwicklung der Rechte von Homosexuellen in den letzten 3 Jahrzehnten (beginnend mit dem Stonewall-Aufstand von 1969) betrachtet, müsste man vielleicht denken, dass die Träume einer Gleichberechtigung, einer Normalisierung zum Greifen nah sind. Dass es keine Überwindung kostet, heute dazu zu stehen, wenn eine Frau eine andere Frau sexuell attraktiv findet oder wenn ein Mann einen anderen Mann liebt und mit ihm ein gemeinsames Leben, eine Familie, aufbauen möchte. Dass ein Outing nicht mehr notwendig wäre. Dass es Antidiskriminierungsgesetze nicht geben müsste, weil es gesellschaftlich anerkannt ist, homosexuell zu leben und zu lieben. Doch dem ist wohl nicht so?! Oder sind einige Betroffene so etwas wie überempfindlich? Darüber gehen die Meinungen weit auseinander.

Fakt ist: es gibt noch immer Berichte über Ausgrenzungen und Ablehnung, im Tourismus, auf der Straße und im Job. Gerade in der Arbeitswelt fällt das oft unter sexuelle Belästigung (zum Beispiel, wenn – ganz klischeehaft – homosexuelle Frauen und Männer anzügliche Witze präsentiert bekommen, die auf ihr Privatleben anspielen), weniger unter Diskriminierung wegen sexueller Orientierung. Die Gesetzgebung ist gerade in Österreich in diesem Zusammenhang nicht wirklich weit. 2004 wurde die EU-Richtlinie in Minimalform umgesetzt und auch als 2010 die Eingetragene Partnerschaft in Kraft trat, hat Österreich den politischen Widerwillen zum Ausdruck gebracht (siehe hierzu: Rechtskomittee Lambda und Pride – Das lesbisch/schwule Österreichmagazin online). Genauere, auch rechtliche Informationen zur EP („Eingetragenen Partnerschaft“) findet man hier: partnerschaftsgesetz.at.

Was also sagen uns diese Fakten, aber auch die Erfahrungen und vielleicht auch die Bilder, die wir von lesbischen Frauen und homosexuellen Männern ins uns haben? Dass noch viel zu tun ist, könnte man darauf antworten. Andere könnten erwähnen, dass es vielleicht zu viel Lärm um diese Art der Lebensführung gibt – nach dem Motto „Ich sag ja auch nicht, dass ich hetero bin!“ – und dass eben dieser Lärm die Diskriminierung erst anheizt. Natürlich gibt es auch religiöse Menschen, die sagen, dass es keiner Ehe und keiner Gleichstellung bedarf, die gesamte Debatte also obsolet ist, weil Gott und die Bibel die (sexuelle) Liebes-Beziehung zwischen Menschen des gleichen Geschlechts als Sünde betrachtet und deswegen streng verboten haben. Ins gleiche Horn stoßen rechte und konservative Parteien, wenn auch nicht unbedingt aus religiösen Gründen.

Auf der einen Seite also die Fakten: es gibt Menschen, die homosexuelle Empfindungen (romantischer wie sexueller Natur) haben und sie sind unterschiedlichen Herausforderungen ausgesetzt, die andere Menschen nicht durchleben müssen – vor allem im Bezug auf gesellschaftliche und leider auch rechtliche Diskriminierung.

Ist also alles dunkel am LGBT-Himmel? Oh nein, es dämmert längst. Nicht nur die rechtlichen Rahmenbedingungen haben sich nach Jahrzehnten der Kämpfe, nach Protesten, Petitionen sowie prominenten Betroffenen wie Ellen DeGeneres, Jodie Foster, Elton John oder George Michael und noch prominenteren FürsprecherInnen wie Elizabeth Taylor (†), Marlene Dietrich (†), Bette Midler oder Madonna, geändert. Auch die gesellschaftlichen Bereiche haben nachgezogen, oftmals, wie zum Beispiel bei Regenbogenfamilien, sind sie längst Realität bevor der Gesetzgeber sich aufrafft, Dinge anzuerkennen und sie auch offiziell abzusichern. Sieht also ganz so aus, als wäre das alles erst der Anfang.

Wir sprechen auch in unseren Workshops über Homosexualität, schau einfach mal vorbei, wenn dich das Thema interessiert!

Die Attraktivität der Gleichgeschlechtlichkeit

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oder: was ist eigentlich homosexuell?

Ausgelutschtes Thema? Kommt wohl darauf an, wen man fragt. Als es mal einen Workshop mit eben diesem Titel gab, hatten wir Rückmeldungen à la „geht mich nix an, so bin ich nicht“ oder „nein danke, kein Interesse“ und es fühlte sich nicht an wie wenn jemand nicht über das Brotbacken sprechen will. Ist das ein seltsamer Vergleich? Ja, mag sein. Trotzdem – was zu sagen ist: es gab immer und gibt noch immer Ressentiments gegen dieses Thema, gegen das Sprechen darüber und das Nachdenken: wie viel Homosexualität ist in mir?

Die gar nicht soo graue Theorie sagt: in jeder Frau, in jedem Mann ist ein Stück lesbisch oder schwul. Diese Theorie basiert auf langwierigen Befragungen tausender Menschen in den 40er und 50er-Jahren. Die meisten wissen jetzt schon, von wem ich spreche: Alfred Kinsey bzw. den Kinsey-Reports, veröffentlicht 1948 und 1953. Er hat eine Skala entwickelt, simpel und für jeden verständlich:

von Alfred Kinsey erstellte Skala (ab 1941)

Zwischen den Punkten 1 und 5 sind Anteile von Hetero- wie von Homosexualität (andere würden vielleicht „Bisexualität“ sagen) vorhanden. Es gibt also schon Menschen, die sich nicht zum eigenen oder zum anderen Geschlecht hingezogen fühlen, aber der Großteil hat Emotionen und sexuelle Anziehungen für Menschen des eigenen und des anderen Geschlechts empfunden oder tut das noch.

Was also ist homosexuell? In der Sexualpädagogik gibt es eine Art Konsens, der lautet: als lesbisch oder schwul bezeichnet man/sich eine Person, die überwiegend in Menschen des eigenen Geschlechts verliebt ist UND sexuelle Beziehungen zu Personen des eigenen Geschlechts pflegt, also generell eine romantische Beziehung anstrebt. Und Teile einer Beziehung sind, wenn man es aus den derzeitig allgemein gültigen oder anerkannten Perspektiven betrachtet, Liebe, sexuelle Anziehung und Erfüllung, Zukunftswünsche wie gemeinsam Altwerden, eventuell Familiengründung mit Haus, Hund, Kind. Alles in allem also eher traditionell.

Es bleibt so viel Platz für Auseinandersetzung, dazu gibt es auch weiterführende Artikel in der nächsten Zeit!

Wir sprechen auch in unseren Workshops über Homosexualität, schau einfach mal vorbei, wenn dich das Thema interessiert!