Archiv der Kategorie: Gesetzgebung Österreich

Sexual- und Paarberatung

Standard
Sexual- und Paarberatung

Ab sofort bieten wir als Verein Beratungen an.

Ab sofort bietet unsere Obfrau Sara Mayer-Mraz als Lebensberaterin in Ausbildung unter Supervision Beratungsstunden für Einzelpersonen, Paare und andere einander nahestehende Personen (throuples, enge Freundschaften, WG-Bewohner*innen, …) zum reduzierten Tarif von 30 Euro pro Stunde (Erstgespräch € 5,–) an.

Schwerpunktthemen:
* Alternative Beziehungsformen
* ALGBTIQ*-Beziehungen und Outingprozesse
* Außenbeziehungen
* Identitätsfindungsprozesse
* Berufsorientierung und Studienwahl
* Prozesse des Abschließens und Loslassens, des Neubeginns sowie
* Erziehungsthemen.

Sie finden in entspannter, respektvoller Atmosphäre eine Gesprächspartnerin auf Augenhöhe. Die Anerkennung aller noch so widersprüchlichen Gefühle, die Möglichkeit, Dinge aus einer neuen Perspektive zu betrachten und ein lustbejahender, lebensfroher Zugang sind die Kennzeichen einer Beratung bei Sara Mayer-Mraz.

Rufen Sie an, schreiben Sie ein Mail. Wir bieten auch kurzfristige Termine an! Gemeinsam finden wir im Erstgespräch heraus, was die aktuellen Themen in Ihrem Leben sind und ob eine Beratung Sinn macht und helfen kann. Fragen kostet nix + beim Reden kommen die Leut‘ zam!

Argumentation für sexualpädagogische Workshops durch externe Expert*innen/Vereine

Standard
Argumentation für sexualpädagogische Workshops durch externe Expert*innen/Vereine

Angesichts aktueller Entwicklungen in Österreich haben wir uns als Vereinsvorstand dazu entschlossen, folgende Stellungnahme publik zu machen:

 

Gemäß dem Erlass für Sexualpädagogik haben Schüler*innen das Anrecht auf wissenschaftlich korrekte Informationen im Bereich der menschlichen Sexualität. Sie sollten altersadäquat und auf dem Stand der pädagogischen Entwicklung vermittelt werden. Soweit gibt es einen breiten gesellschaftlichen und politischen Konsens. Bei der tatsächlichen Ausgestaltung jedoch gibt es große Unterschiede in den Vorstellungen und Ideen.

In der vorliegenden Stellungnahme erläutern wir folgende Punkte:

  • Qualifikation
  • Praktische Grenzen der Lehrkräfte
  • Praktische Grenzen der schulischen Strukturen
  • Anonymität/Unvoreingenommenheit
  • Expert*innen auf ihrem Gebiet
  • Diskussionsfreiräume
  • Vertrauensprinzip

Außerdem formulieren wir im Anschluss einen Vorschlag für die weitere Vorgehensweise für sexualpädagogisch tätige Personen und Vereine.

 

Ein wesentlicher Punkt, warum es in unseren Augen so starke Unterschiede in der Umsetzung des sexualpädagogischen Auftrags gibt, ist die Vorstellung darüber, wie so ein Workshop abläuft. Dazu muss man wissen, dass es in einem sexualpädagogischen Workshop keine Übergriffe gibt, jedenfalls dann nicht, wenn er von qualifiziertem Personal geplant, durchgeführt und auch supervisorisch durch eine erfahrene sexualpädagogisch ausgebildete Person nachbearbeitet wird. Diese Kompetenz ist am ehesten bei sexualpädagogisch ausgebildeten (und damit ist nicht ein vierwöchiger Kurs gemeint!) und insgesamt von Pädagog*innen oder Psycholog*innen sowie anderen Personen, die eine fundierte Ausbildung in sozialwissenschaftlichen Studien oder pädagogischen Berufen vorweisen können oder sich in ihr befinden, zu erwarten.

Natürlich sind Lehrkräfte ebensolche pädagogisch ausgebildeten Personen, allerdings sind sie nicht automatisch sexualpädagogisch ausgebildet und jede Lehrkraft hat ihren eigenen für sie wichtigen Schwerpunkt. Auch Biologie-, Ethik-, Deutsch- und Religionslehrpersonen haben nicht automatisch einen sexualpädagogischen Schwerpunkt, auch wenn nun von ihnen erwartet wird, hier die „eierlegende Wollmilchsau“ zu sein. Lehrpersonen sind heute nicht einfach nur noch die frontalvortragenden Vorbilder, sie sind Ansprechpersonen für die persönlichsten Bereiche ihrer Schüler*innen, sie erfüllen sozialpädagogische und sozialarbeiterische Aufgaben. Es ist einfach unzulässig und auch ungerecht, ihnen nun auch noch sämtliches Spezialwissen (und die Sexualpädagogik ist nur einer von mehreren Themenbereichen) und die Durchführung möglichst zielgruppengerechter Workshops abzuverlangen. Nicht nur, dass der Lehrplan ohnehin sehr dicht ist und jedes Jahr mehr von Lehrkräften und Schüler*innen verlangt, es kann von niemandem erwartet werden, über Spezialwissen für sämtliche Themen zu verfügen.

Ein weiterer, sehr häufig vorgebrachter Grund, der für das Einsetzen externer Expert*innen spricht, ist die Anonymität. Sexualpädagog*innen gehen in die Schulen, Jugendzentren, Wohngemeinschaften und andere Einrichtungen als Fremde. Sie kennen die Schüler*innen, Bewohner*innen, Teilnehmenden nicht und sie werden auch von ihnen nicht gekannt. Dieser ganz neue Zugang, der ohne Vorgeschichte lebt und auch keine Nachgeschichte mehr bekommt, erlaubt es, einen unvoreingenommenen Workshop für beide Seiten zu finden und gemeinsam eine im Jetzt stattfindende Zeit zu gestalten, also einen zeitlich begrenzten Raum, der ein geschützter Raum ist. Sexualpädagog*innen kennen keine Vorinformation außer der, die die Personen von sich freiwillig preisgeben. Sie vergeben keine Noten. Sie werten nicht. Sie haben keinen Rotstift mit und das ist ein Symbol für viele Bereiche: Sexualpädagog*innen sind nicht Eltern, Erziehungsberechtige, Lehrkräfte, Sozialarbeiter*innen. Sie fällen keine Urteile, entscheiden nicht über Laufbahn und existenzielle Voraussetzungen. Diese Tatsache ist für alle Beteiligten der größte Vorteil, den es in diesen Workshops gibt. Es gibt keine wechselseitigen Ansprüche, die über die Zeit des Workshops hinausgehen. Und eben, weil es keine Abhängigkeiten gibt, können Fragen anders gestellt, Themen freier besprochen werden. Ein*e Sexualpädagog*in wird nicht rot, wenn jemand „ficken“ sagt, lacht nicht, wenn Wörter falsch ausgesprochen werden, urteilt nicht, wenn abfällige Bemerkungen fallen. Sexualpädagog*innen setzen Äußerungen, Worte, Werte in gesamtgesellschaftlichen, historischen, sozialen Kontext und klären über Zusammenhänge auf und das in der verlangten altersadäquaten Form.

Sexualpädagog*innen suchen sich ihr Thema ganz bewusst aus. Niemand plumpst aus der Universität und wird gezwungen, über Sexualität, Menstruation, Verhütung mit ihr*ihm unbekannten Jugendlichen, Kindern und Erwachsenen zu sprechen. Es ist ein frei gewählter Arbeitsbereich, ist also eine persönliche Entscheidung und viel spezifischer als beispielsweise Deutsch oder Sport zu unterrichten. Sexualpädagog*innen beantworten mit Freude Fragen zu körperlichen Funktionen, zwischenmenschlichen Beziehungen und Körperbildern. Das sind keine zufälligen Themen, die im Rahmen des als Beispiel erwähnten Deutsch- oder Sportunterrichts durchaus auftauchen können. Und weil diese Entscheidung eine so bewusste ist, sind Sexualpädagog*innen Expert*innen für ihr Thema. Zusammen mit ihrem Grundberuf, sei es die Sozialarbeit, die Sozialpädagogik, die Psychologie, die Behindertenarbeit oder anderes, haben Sexualpädagog*innen die Fähigkeit, sehr konzentriert und ohne Angst auf Fragen einzugehen.

Ein sexualpädagogischer Workshop, dauert er 2 Stunden, 3 Stunden oder den ganzen Tag, ist eine Ausnahme im Unterrichts-, WG- und Jugendzentrumsalltag. Er ist eine besondere Zeit für die Schüler*innen, Bewohner*innen, Teilnehmenden. Durch diesen besonderen Status ist nicht nur das Thema gründlich abgesteckt, er bietet auch einen Luxus, den es allzu oft nicht gibt bzw. nicht in dieser Form: Sexualpädagog*innen gestatten Diskussionen zwischen den Teilnehmenden nicht nur, sie ermutigen sie dazu, denn miteinander ins Gespräch zu kommen ist das wichtigste durch die Sexualpädagog*innen formulierte Ziel für die Teilnehmenden. Dafür wird in einem Workshop Raum gegeben, den es sonst aufgrund der eingeschränkten Zeitressourcen (beispielsweise wird in österreichischen Schulen größtenteils noch immer in einem 50 Minuten-Rhythmus unterrichtet) nicht gibt. Außerdem sind aufgrund der unbelasteten Beziehung zwischen Sexualpädagog*in und Gruppe Diskussionen viel freier, sie haben wie erwähnt keinerlei Konsequenzen, die über die Zeit des Workshops hinausgehen. Sie führen nicht zu schlechten Noten oder ähnlichem.

Hierfür ist es nötig, dass die Sexualpädagog*innen das Vertrauensprinzip verstehen, anwenden und verteidigen. Es ist mit dem Vertrauensprinzip in Psychotherapien, Beratungen und Ärzt*innen-Patient*innen-Gesprächen zu vergleichen und gilt für besonders sensible Bereiche (und die menschliche Sexualität ist ein ebensolcher Bereich, für den eine erhöhte Sensibilität absolut elementar ist). Das bedeutet in der Praxis, dass mit der pädagogischen Begleitperson (Lehrkraft, Sozialarbeiter*in, Sozialpädagog*in, Jugendbetreuer*in u.ä.) über die allgemeine Stimmung im Workshop gesprochen werden kann (und in unseren Augen auch soll), nicht jedoch über einzelne Aussagen einzelner Teilnehmer*innen. Diese Rezitation würde das Vertrauensprinzip empfindlich verletzen und kann großen Schaden anrichten. Das Vertrauensprinzip, das es beispielsweise in Beratungs- und Therapiesettings gibt, besagt, dass „nichts den Raum verlässt“. Ärztinnen und Ärzte, Therapeutinnen und Therapeuten, Beraterinnen und Berater sind daran auch rechtlich gebunden und können, wenn sie nicht besondere Gründe (beispielsweise Gefahr für Leib und Leben) vorweisen und nachweisen können, strafrechtlich belangt werden. Nun gibt es für Sexualpädagog*innen so eine rechtliche Bindung nicht, das Vertrauensprinzip aber, wie es hier formuliert wurde, ist Teil der professionellen Haltung.

Abschließend ist noch festzuhalten, dass die Situation für sexualpädagogische Workshops und sexualpädagogisch tätige Personen im österreichischen Schulsystem mehr als unbefriedigend ist. Da es weder eine allgemein zugängliche Liste tätiger Vereine noch eine fixe Budgetierung gibt, sind Schulen und Lehrkräfte bei der Wahl ihrer Mittel (und Expert*innen) auf sich gestellt. Nur so kann es passieren, dass es fundamentalistisch-ideologische Vereine gibt, die mit vorsätzlich falschen Informationen kostenlos in Schulen gehen und dort riesigen Schaden verursachen können. Daher schlagen wir folgende Vorgehensweise vor:

 

  1. Es braucht Akkreditierungen durch das Bildungsministerium. Nur vom Bildungsministerium akkreditierte Vereine sollen in Schulen gehen dürfen. Für diese Akkreditierung braucht es verbindliche Rahmenbedingungen und regelmäßige Kontrollen. Eine Akkreditierung muss in regelmäßigen Abständen erneuert werden und kann nicht unkontrolliert 20 Jahre oder mehr gelten.
  2. Es braucht eine gemeinsame Standesvertretung, die dem Bildungsministerium gegenüber Ansprechpartnerin für die sexualpädagogische Arbeit in Österreich ist. Gemeinsam mit der Standesvertretung können die Bedingungen für die Akkreditierung oder den Berufsbezeichnungsschutz für die Sexualpädagogik festgelegt werden.
  3. Es braucht eine für alle Schulen und außerschulischen Institutionen mit pädagogischer Verantwortung eine vom Bildungsministerium zur Verfügung gestellte Liste mit sexualpädagogisch tätigen Vereinen und Einzelpersonen.
  4. Um die Schulgeldfreiheit zu gewährleisten, muss das Bildungsministerium ein Budget für Sexualpädagogik zur Verfügung stellen. Im Gegenzug erklären sich die akkreditierten Vereine bereit, einen einheitlichen Tarif (der möglicherweise unter ihrem derzeitigen Tarif liegt) zu akzeptieren. Durch die einheitliche Bezahlung wird ein Entgeltkampf zwischen den Vereinen verhindert und gerechte Bedingungen für alle teilnehmenden Vereine geschaffen.
  5. Es darf auch weiterhin Vereine geben, die nicht vom Bildungsministerium akkreditiert sind. Sie dürfen aber nicht in Schulen tätig sein. So bleibt die Freiheit und Unabhängigkeit für andere Vereine erhalten.

 

Vorstand des Vereins pasiofeel – Lust und Liebe im Gespräch

„Dürfen Behinderte Kinder kriegen?“

Standard

Diese Diskussion wird in ähnlicher Form und von unterschiedlichen Menschen mit ganz verschiedenen Argumenten geführt. Nicht zuletzt durch die Geschichte der Behinderung bzw. des Umgangs mit Beeinträchtigungen hat die Diskussion immer den Duft der Euthanasie und kaum jemand ist nicht darum besorgt, etwas wie „unwertes Leben“ auch nur zu denken. Es ist gut, richtig und auch notwendig, sich dieser Geschichte bewusst zu sein und die daraus entstandene Verantwortung nach wie vor zu tragen.

image

Auch die Betroffenen selbst leben – bewusst oder unbewusst – mit dieser Geschichte, nicht zuletzt jene, die schon zur älteren Generation zählen. Und so kommt es dann dazu, dass zwei sich im Gespräch unsicher sind: darf die das? Was passiert mit dem Kind? Wer verbietet das? Wer achtet auf das Kind? Wenn das Kind weggenommen wird, darf die Mutter das Kind sehen? Ist das Kind gesund oder krank?
Da viele Betreuer*innen in diesen Fragen unsicher sind, hier also eine kurze Zusammenfassung.

image

Österreich hat die UN-Konvention der Rechte von Menschen mit Behinderung 2008 ratifiziert und sich so verpflichtet, die Inhalte der Konvention umzusetzen. Darin ist geregelt, welche Rechte Menschen mit Behinderung in Zusammenhang mit ihrem Wohnort, der Arbeit und des Privatlebens haben.
In der Konvention ist klar festgehalten: Menschen mit Behinderung haben das Recht auf Familie, Familiengründung, auf Kinder, Partnerschaft und angemessene Unterstützung durch die jeweiligen Einrichtungen. Da hierzu auch die Familienplanung gehört, haben die Menschen auch das Recht auf selbst gewählte Verhütungsmaßnahmen und die dazu gehörenden Informationen.
Da es sich hier um international verbindliches Recht handelt, ist es auch einklagbar falls den Betroffenen das Recht vorenthalten wird. Glücklicherweise werden viele Betreuer*innen im Lauf ihrer Ausbildung oder in den jeweiligen Arbeitsstätten mit der Konvention konfrontiert.

image

Den gesamten Text kann man auf der Webseite des Sozialministeriums abrufen.
Hier auch in leichter Sprache.

image

Diskriminierung oder was?

Standard

Gleichbehandlungsgebot im Zusammenhang mit einem Arbeitsverhältnis

§ 17. (1) Auf Grund der ethnischen Zugehörigkeit, der Religion oder Weltanschauung, des Alters oder der sexuellen Orientierung darf im Zusammenhang mit einem Arbeitsverhältnis niemand unmittelbar oder mittelbar diskriminiert werden, insbesondere nicht

1. bei der Begründung des Arbeitsverhältnisses,
2. bei der Festsetzung des Entgelts,
3. bei der Gewährung freiwilliger Sozialleistungen, die kein Entgelt darstellen,
4. bei Maßnahmen der Aus- und Weiterbildung und Umschulung,
5. beim beruflichen Aufstieg, insbesondere bei Beförderungen,
6. bei den sonstigen Arbeitsbedingungen,
7. bei der Beendigung des Arbeitsverhältnisses.

Begriffsbestimmungen

§ 19. (1) Eine unmittelbare Diskriminierung liegt vor, wenn eine Person auf Grund eines in § 17 genannten Grundes in einer vergleichbaren Situation eine weniger günstige Behandlung erfährt, als eine andere Person erfährt, erfahren hat oder erfahren würde.

(2) Eine mittelbare Diskriminierung liegt vor, wenn dem Anschein nach neutrale Vorschriften, Kriterien oder Verfahren Personen, die einer ethnischen Gruppe angehören, oder Personen mit einer bestimmten Religion oder Weltanschauung, eines bestimmten Alters oder mit einer bestimmten sexuellen Orientierung gegenüber anderen Personen in besonderer Weise benachteiligen können, es sei denn, die betreffenden Vorschriften, Kriterien oder Verfahren sind durch ein rechtmäßiges Ziel sachlich gerechtfertigt und die Mittel sind  zur Erreichung dieses Zieles angemessen und erforderlich.

(3) Eine Diskriminierung liegt auch bei Anweisung einer Person zur Diskriminierung vor.

(4) Eine Diskriminierung liegt auch vor, wenn eine Person auf Grund ihres Naheverhältnisses zu einer Person wegen deren ethnischer Zugehörigkeit, deren Religion oder Weltanschauung, deren Alters oder deren sexueller Orientierung diskriminiert wird.“ (zitiert nach dem österreichischen Gleichbehandlungsgesetz, Fassung 2004)

Natürlich bezieht sich das Gesetz nicht ausschließlich auf den Arbeitsbereich, aber dort sollte es zuerst Anwendung finden. Dass Österreich die Minimal-Version dieser EU-Richtlinie (Originaltext, Jahr 2000) umgesetzt hat, ist leider auch Fakt und war Gegenstand zahlreicher Diskussionen (siehe unten).

Und wenn man die Entwicklung der Rechte von Homosexuellen in den letzten 3 Jahrzehnten (beginnend mit dem Stonewall-Aufstand von 1969) betrachtet, müsste man vielleicht denken, dass die Träume einer Gleichberechtigung, einer Normalisierung zum Greifen nah sind. Dass es keine Überwindung kostet, heute dazu zu stehen, wenn eine Frau eine andere Frau sexuell attraktiv findet oder wenn ein Mann einen anderen Mann liebt und mit ihm ein gemeinsames Leben, eine Familie, aufbauen möchte. Dass ein Outing nicht mehr notwendig wäre. Dass es Antidiskriminierungsgesetze nicht geben müsste, weil es gesellschaftlich anerkannt ist, homosexuell zu leben und zu lieben. Doch dem ist wohl nicht so?! Oder sind einige Betroffene so etwas wie überempfindlich? Darüber gehen die Meinungen weit auseinander.

Fakt ist: es gibt noch immer Berichte über Ausgrenzungen und Ablehnung, im Tourismus, auf der Straße und im Job. Gerade in der Arbeitswelt fällt das oft unter sexuelle Belästigung (zum Beispiel, wenn – ganz klischeehaft – homosexuelle Frauen und Männer anzügliche Witze präsentiert bekommen, die auf ihr Privatleben anspielen), weniger unter Diskriminierung wegen sexueller Orientierung. Die Gesetzgebung ist gerade in Österreich in diesem Zusammenhang nicht wirklich weit. 2004 wurde die EU-Richtlinie in Minimalform umgesetzt und auch als 2010 die Eingetragene Partnerschaft in Kraft trat, hat Österreich den politischen Widerwillen zum Ausdruck gebracht (siehe hierzu: Rechtskomittee Lambda und Pride – Das lesbisch/schwule Österreichmagazin online). Genauere, auch rechtliche Informationen zur EP („Eingetragenen Partnerschaft“) findet man hier: partnerschaftsgesetz.at.

Was also sagen uns diese Fakten, aber auch die Erfahrungen und vielleicht auch die Bilder, die wir von lesbischen Frauen und homosexuellen Männern ins uns haben? Dass noch viel zu tun ist, könnte man darauf antworten. Andere könnten erwähnen, dass es vielleicht zu viel Lärm um diese Art der Lebensführung gibt – nach dem Motto „Ich sag ja auch nicht, dass ich hetero bin!“ – und dass eben dieser Lärm die Diskriminierung erst anheizt. Natürlich gibt es auch religiöse Menschen, die sagen, dass es keiner Ehe und keiner Gleichstellung bedarf, die gesamte Debatte also obsolet ist, weil Gott und die Bibel die (sexuelle) Liebes-Beziehung zwischen Menschen des gleichen Geschlechts als Sünde betrachtet und deswegen streng verboten haben. Ins gleiche Horn stoßen rechte und konservative Parteien, wenn auch nicht unbedingt aus religiösen Gründen.

Auf der einen Seite also die Fakten: es gibt Menschen, die homosexuelle Empfindungen (romantischer wie sexueller Natur) haben und sie sind unterschiedlichen Herausforderungen ausgesetzt, die andere Menschen nicht durchleben müssen – vor allem im Bezug auf gesellschaftliche und leider auch rechtliche Diskriminierung.

Ist also alles dunkel am LGBT-Himmel? Oh nein, es dämmert längst. Nicht nur die rechtlichen Rahmenbedingungen haben sich nach Jahrzehnten der Kämpfe, nach Protesten, Petitionen sowie prominenten Betroffenen wie Ellen DeGeneres, Jodie Foster, Elton John oder George Michael und noch prominenteren FürsprecherInnen wie Elizabeth Taylor (†), Marlene Dietrich (†), Bette Midler oder Madonna, geändert. Auch die gesellschaftlichen Bereiche haben nachgezogen, oftmals, wie zum Beispiel bei Regenbogenfamilien, sind sie längst Realität bevor der Gesetzgeber sich aufrafft, Dinge anzuerkennen und sie auch offiziell abzusichern. Sieht also ganz so aus, als wäre das alles erst der Anfang.

Wir sprechen auch in unseren Workshops über Homosexualität, schau einfach mal vorbei, wenn dich das Thema interessiert!