Archiv für den Monat Juli 2016

Angesprochen: Ausgesprochen! Plakatkampagne an Wiener Schulen

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Angesprochen: Ausgesprochen! Plakatkampagne an Wiener Schulen

Auch wenn der Anlass nicht brandaktuell ist, das Thema LGBTIQ an Schulen ist es allemal.

 

Die Hintergründe: Der Verein Ausgesprochen: Schwule, lesbische, bi, trans & inter Lehrer*innen in Österreich, hat eine Plakatkampagne entworfen. Die Plakatsujets, fünf an der Zahl, wurden in einer Auflage von 3500 Stück an 700 Wiener Schulen verschickt. Bereits letztes Jahr erarbeitet und angekündigt, wurde die Umsetzung in Folge zahlreicher Proteste verzögert, unter anderem vom Elternverband und dem katholischen Familienverband.

Es wurde unter anderem eine Petition mit dem Namen ‚Keine Gender-Indoktrinationsplakate in Wiener Schulen!‘ initiiert, die es schaffte fast 9.000 Unterschriften zu sammeln. Man warnt davor, dass durch die Kampagne „hinter dem Rücken der Eltern die Schüler sexualpädagogisch verwirrt und indoktriniert werden“. Es werde die „Idee des Gender Mainstreaming propagiert“.

Hierzu eine kurze Erläuterung: Die Plakate wurden an die Direktionen der 700 Schulen ausgeschickt, mit der Absicht vor allem Lehrer*innen für LGBTIQ Themen im Schulalltag zu sensibilisieren. Es unterliegt der Schulautonomie, ob und wie die Plakate in die Praxis einfließen, es besteht kein Zwang zur Umsetzung. Als Reaktion auf Kritik wurden Workshops für Lehrer*innen abgehalten, um die Sujets in einen Rahmen einzubetten und pädagogisches Werkzeug zu ihrer möglichen Umsetzung zu liefern.

Es ist problematisch wenn in diesem Kontext von „Propaganda“ und „Indoktrination“ gesprochen wird. Niemand wird zum Beispiel transident, wenn er* oder sie* in einem Workshop darüber lernt. Im besten Falle hilft es jungen Menschen, die so empfinden, dieses bereits vorhandene Gefühl zu benennen und sich selbst besser zu verstehen. Vielleicht kann es Leidensdruck lindern, Optionen aufzeigen, Wege bereiten zu einem glücklich(er)en Leben. Ganz sicher jedoch ist die Auseinandersetzung damit nicht die Ursache für das Gefühl.

Es geht nicht darum, etwas zu „bewerben“, nicht darum die Welt zu „homofizieren“ oder dergleichen. Vielmehr geht es darum, Realitäten zu benennen. Menschen, die (oft im Verborgenen) existieren, eine Stimme zu geben. Zu zeigen dass es „ok ist, so und so zu sein“. Nicht zu verwechseln mit „seid doch bitte auch so“. Klarer Unterschied.

Noch immer sind Selbstmordraten und psychische Krankheiten bei LGBTIQ Jugendlichen* bedeutend höher als bei ihren Altersgenossen*. Und NEIN, das ist nicht die Ursache für das Empfinden, sondern eine Folge von einer Reihen von Diskriminierungen. Das geht von nicht-gesehen-werden bis hin zu offener Gewalt. Mobbing von LGBTIQ Jugendlichen* ist Realität.

Es geht nicht darum, alles und jeden „toll“ zu finden. Es geht darum einen sicher(er)en Ort für unsere Kinder zu schaffen, wie auch immer sie fühlen, lieben und begehren mögen. Es geht um Respekt, um ein Miteinander, in dem Platz ist für Vielfalt. Große Worte. Kleine Taten wie die Plakatkampagne von Ausgesprochen: Ja bitte!