Archiv für den Monat März 2014

„Dürfen Behinderte Kinder kriegen?“

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Diese Diskussion wird in ähnlicher Form und von unterschiedlichen Menschen mit ganz verschiedenen Argumenten geführt. Nicht zuletzt durch die Geschichte der Behinderung bzw. des Umgangs mit Beeinträchtigungen hat die Diskussion immer den Duft der Euthanasie und kaum jemand ist nicht darum besorgt, etwas wie „unwertes Leben“ auch nur zu denken. Es ist gut, richtig und auch notwendig, sich dieser Geschichte bewusst zu sein und die daraus entstandene Verantwortung nach wie vor zu tragen.

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Auch die Betroffenen selbst leben – bewusst oder unbewusst – mit dieser Geschichte, nicht zuletzt jene, die schon zur älteren Generation zählen. Und so kommt es dann dazu, dass zwei sich im Gespräch unsicher sind: darf die das? Was passiert mit dem Kind? Wer verbietet das? Wer achtet auf das Kind? Wenn das Kind weggenommen wird, darf die Mutter das Kind sehen? Ist das Kind gesund oder krank?
Da viele Betreuer*innen in diesen Fragen unsicher sind, hier also eine kurze Zusammenfassung.

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Österreich hat die UN-Konvention der Rechte von Menschen mit Behinderung 2008 ratifiziert und sich so verpflichtet, die Inhalte der Konvention umzusetzen. Darin ist geregelt, welche Rechte Menschen mit Behinderung in Zusammenhang mit ihrem Wohnort, der Arbeit und des Privatlebens haben.
In der Konvention ist klar festgehalten: Menschen mit Behinderung haben das Recht auf Familie, Familiengründung, auf Kinder, Partnerschaft und angemessene Unterstützung durch die jeweiligen Einrichtungen. Da hierzu auch die Familienplanung gehört, haben die Menschen auch das Recht auf selbst gewählte Verhütungsmaßnahmen und die dazu gehörenden Informationen.
Da es sich hier um international verbindliches Recht handelt, ist es auch einklagbar falls den Betroffenen das Recht vorenthalten wird. Glücklicherweise werden viele Betreuer*innen im Lauf ihrer Ausbildung oder in den jeweiligen Arbeitsstätten mit der Konvention konfrontiert.

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Den gesamten Text kann man auf der Webseite des Sozialministeriums abrufen.
Hier auch in leichter Sprache.

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Dallas Buyers Club

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Ron (Matthew McConaughey) ist HIV-positiv und so genannter „late presenter“ (= jemand, bei dem erst sehr spät, meist im AIDS-Stadium festgestellt wird, dass HIV im Blut nachweisbar ist). Es ist 1985 und eine HIV-Diagnose bedeutet das Todesurteil. Ron ist zynisch, fast militant hetero und ein Rodeo-Fan. Er raucht, trinkt und konsumiert Koks, wahllose sexuelle ungeschützte Kontakte mit fremdem Frauen sind sein Alltag. Erst verzweifelt Ron, dann besorgt er sich Medikamente und als die ihn fast töten, besorgt er sich neue.

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Er gründet einen Buyers Club, also eine Art Verein, der gegen eine monatliche Gebühr nicht-zugelassene Medikamente an andere HIV-positive Menschen verteilt. Auf dem Weg gewinnt Ron eine/n Freund*in namens Rayon (brillant: Jared Leto), neue Erkenntnisse und streitet mit der FDA. Eine befreundete Ärztin unterstützt ihn in seinen Vorhaben.

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Basierend auf der wahren Geschichte von Ronald Woodroof (1950 – 1992), durch dessen Kampf die medikamentöse Therapie für HIV-positive Menschen eine wichtige Wendung nahm, erfährt man hautnah, wie real die Stigmation war (und ist), wie viele Vorurteile, wie viel Verzweiflung und wie viel Aussichtslosigkeit die Menschen erschütterte. Auch wenn nicht alle Aspekte der Realität entsprechen, macht das für die Geschichte keinen Unterschied.

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Dieser Film ist ein Muss für jede*n, die/der sich für die Geschichte der Antiretroviralen Therapie und die emotionalen Hintergründe von Betroffenen interessiert!

Frauentag

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Ich wurde schon oft in meinem Leben gefragt, ob ich Feministin bin. Früher dachte ich immer: nein, es ist doch alles gut wie es ist. Dann wurde ich auf die Genderdebatte aufmerksam und wieder dachte ich: es passt doch alles, was soll der Aufstand?

 

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Im Lauf der Jahre wurde ich dann gar nicht mehr gefragt, sondern immer wieder sagten einige: du bist Feministin und ich sagte: ah ja? Wie kommst du darauf? Und dann wurde erwidert, dass ich ja der Prototyp einer Frau sei, die für ihre Rechte kämpft und mein Grundsatz war tatsächlich immer: was soll das Geheule, einfach auf die Hinterhaxen stellen und kämpfen. Einfach tun, was man selbst will.

 

So ähnlich lief das bei mir auch mit dem „Gendern“, also das Binnen-I anzuwenden. Nur war ich damals nicht mal 20. Es gab einen jungen Mann in der Jugendorganisation, für die ich damals aktiv war und obwohl wir uns nicht gut kannten und er auch schon viel zu früh starb, hat er mich massiv beeinflusst. Er hieß Gregor und die, die ihn kennen, wissen, dass wahr ist, was ich jetzt schreibe: Gregor war ein toller Kerl und eine echte Zukunftshoffnung. Er ging viel zu früh. Auf seinem Begräbnis waren 300 Leute … jedenfalls hat dieser Mann mich in vielen Gesprächen schlussendlich davon überzeugt, dass Gendern nicht nur ok ist, sondern wichtig. Und weil er sich so viel Zeit genommen hat und so viel Geduld hatte, mit mir sturem Menschen zu diskutieren, deswegen gendere ich heute gerne und hab das Konzept im Lauf der Zeit auch erweitert.

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Inzwischen stört mich ein großes I sogar, ich finde es ignorant und dass es nicht weit genug geht. Ich schreibe Sternchen und dann in oder innen oder so. Und was dazu gekommen ist, womit wir wieder beim Frauentag wären: mir persönlich hat das Gendern wirklich geholfen, Frauen anders wahrzunehmen und auch die bestehende Diskriminierung, die in so vielen Bereichen durch unfassbar viele Studien und Untersuchungen festgestellt und bewiesen wurde. Ich bestreite heute, nach so vielen Jahren der Reflexionen, der Diskussionen und der Auseinandersetzungen nicht mehr, dass Frauendiskriminierung Alltag ist. Ich bestreite nicht mehr, dass das zweigeschlechtliche Normativ genauso schädlich ist wie die durch Heteronormativität begünstigte Homophobie.

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Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter: jede Person, der auffällt, dass etwas schief läuft, die MUSS sich rühren, die MUSS was ändern, die MUSS dagegen arbeiten. Keiner kann alleine eine Revolution starten, glaubt man jedenfalls. Aber was ich leisten kann, das leiste ich und ich gebe weiter, was ich denke und setze damit einen Samen in eine Erde, die vielleicht nicht fruchtbar ist, noch nicht jedenfalls, und sie wird weiter gegossen, von mir und anderen und dann steht da irgendwann ein Baum oder eine Blume und mit der Zeit haben wir eine wunderschöne Wiese, einen stabilen Wald vielleicht. Und natürlich gibt es Wilderer und Umweltzerstörer. Aber wenn immer wieder neue Samen, neue Pflanzen nachkommen, dann übersteht der Wald vielleicht auch noch andere Angriffe.

 

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In diesem Sinn: schönen Internationalen Frauentag euch allen!

 

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