Libido: verboten?

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Letztens in einer privaten Runde: beim Bundesheer wurde den zwangsverpflichteten Männern ein libidosenkendes bzw. -verhinderndes Mittel verabreicht. Durch einige kurze Recherchen fand ich soeben heraus, dass diese Geschichte als Mythos gilt. Jedenfalls hat sich das Gerücht bei vielen Männern durchgesetzt (es wurde mir von unterschiedlichen Seiten berichtet). Als ich vor einigen Monaten davon erstmals hörte, war die Reaktion eindeutig: allgemeine Empörung. Diesmal jedoch: ob es nicht eher praktisch ist (wäre), wenn man diese Gefühle im Moment (6-Bett-Zimmer: keine Privatsphäre und evtl. kein/e Freund/in zu Hause) eh nicht brauchen kann?

Bundesheer in Österreich

Auf der anderen Seite stand das Argument, dass die Libido in ihrer speziellen Ausprägungsform Teil der menschlichen Natur ist und diese zu beschneiden (vor allem womöglich ohne gesonderte Aufklärung?) gegen die Grundrechte (Unversehrtheit der Person), also gegen die Verfassung verstößt.

Und: diverse Medikamente gegen Bluthochdruck, Depressionen oder Schizophrenie haben als häufige Nebenwirkung Erektions-, Ejakulations- und Libidostörungen. Fast alle Menschen, die diese Medikamente einnehmen (müssen), um ihr gesundheitliches Wohl abzusichern, haben schon von dieser Wirkung gehört. Werden Sie aber von ihren Ärzten und Ärztinnen speziell danach gefragt?  Ich bin mir da leider nicht so sicher. Ich habe das selbst schon einige Male als Begleiterin erlebt. Wenn man die Symptome nicht von selbst anspricht, wird man nicht fokussiert gefragt. Das hat sicher mehrere Gründe. Ein Grund, warum Patienten diese Nebenwirkung nicht ansprechen, ist, weil sie nicht denken, dass es etwas mit dem Medikament zu tun haben könnte. Und natürlich sind sie auch beschämt deshalb.

Also alles in allem bleibt die Frage, die einer Diskussion würdig ist: steht einem die Libido manchmal im Weg? Gibt es Situationen, in denen geil zu sein, unangenehm wäre (jetzt mal von Warteschlangen im Supermarkt abgesehen) – ich meine längerfristige Situationen wie eben Erkrankungen, Bundesheer – und Gefängnisaufenthalte?

Und wenn das gerechtfertigt ist:gilt es dann auch für andere Situationen, in welchen das Thema Geilheit (also Sexualität grundsätzlich) nicht angebracht oder passend scheint? Ich spreche da vor allem alle anderen institutionalisierten Wohnformen an – besonders jene, die auf längere oder unbefristete Dauer angelegt sind: Wohngemeinschaften (mit Betreuung), Heime, Seniorenwohnhäuser, Kinderheime und eben auch Gefängnisse und Psychiatrien. Gibt es besondere Zielgruppen?

Ich saß vor einigen Monaten in einem Gespräch in kleiner Runde, es ging um symbolische Kommunikation. Den Klienten und Klientinnen sollte die Hausordnung über die Kombination eines Bildes und kurzen  Sätzen (2 – 4 Worte) näher gebracht werden. Gegen Ende der Liste fand sich ein Quadrat, in welchem man zwei symbolisierte Menschen sah, die Sex miteinander hatten: es war durchgestrichen und daben stand: Sex bitte nur im Zimmer.

Über pasiofeel

pasiofeel ist ein Verein mit Sitz in Baden. Wir bieten Workshops, Seminare, Konzepterstellungen und Beratungen an. Unsere Themen: Sexualität und alles, was damit zusammen hängt. Es gibt kein Thema, das uns unbesprechbar erscheint. Wir finden Worte, wir erarbeiten gemeinsam einen Weg! Denn: #wirredendarüber

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