Archiv für den Monat Oktober 2012

Zyklus – das weibliche Geheimnis

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Die Fragen rund um den Zyklus sind eine zuverlässige Quelle für Verwirrungen. Sie sind zuverlässig in jedem sexualpädagogischen Workshop und in einem großen Teil der Sexualberatungen Thema. Grundlage für diese Unsicherheiten sind nicht nur mangelndes  Wissen (das häufig einfach nur zu kompliziert vermittelt wird), sondern auch und ganz besonders mangelnde Aufzeichnungen. Früher führten  Frauen einen Zykluskalender im Rahmen ihrer üblichen Dokumentation, zB in ihrem Jahreskalender. Frauenärzte und -ärztinnen verteilen auch heute noch kleine Zykluskalender zum Mitnehmen.

Inzwischen aber haben sehr viele Frauen Smartphones, vor allem das Betriebssystem Android ist ein wachsender Markt. Zyklus-Apps gibt’s zuhauf, die allermeisten davon übrigens kostenlos.

Ich hatte die Möglichkeit, drei Apps zu testen. Alle haben ihre Stärken und Schwächen.

 

1. Woman Log

Man hat am Startbildschirm (übrigens ist das bei allen Apps, die ich getestet hab, identisch) die Übersicht, einen Kalender. Frau hat die Option, zwischen Wochen- und Monatsüberblick zu wählen. Die roten Kästchen bedeuten: dort hatte ich meine Periode. Die Blüte heißt: fruchtbarer Tag. Die Blume bedeutet: wahrscheinlich ist da der Eisprung. Die gestrichelten Kästchen bedeuten, dass man an diesen Tagen wahrscheinlich die Periode hat. Die Männchen und Zeichen in den Kästchen sind Informationen, die man eingegeben hat: Symptome wie zB Blähungen, Fieber, Frösteln, PMS usw., das Herzchen bedeutet Sex (inzwischen kann man auch eintragen, wie oft man an diesem Tag Sex hatte). Außerdem kann man die Basistemperatur eintragen und das Gewicht. Es gibt eine Übersicht als Verlauf: wie entwickelt sich das Gewicht/die Temperatur im Monat? Bei Woman Log hat man 3 oder 4 kostenlose Themen (rot, blau, grün) zur Auswahl, andere Themen kann man kaufen. Es gibt auch Woman Log Pro, kostet ein paar Euro. Außerdem bietet Woman Log einen Schwangerschaftskalender an.

 

2. My days

Wie man sieht, ähnelt sich das sehr. Das Design ist reduziert, die Farben sind unten erklärt. Ich glaube aber, dass man da keine Übersicht über das Gewicht, die Temperatur usw. hat.
3. Sympto

Die symptothermale Methode ist sehr aufwändig, aber auch sehr zuverlässig. Es gibt dafür ein App, das kostenlos zur Verfügung gestellt wird. Hinter der Methode steht eine Schweizer Stiftung, die sich zum Ziel gesetzt hat, Mädchen und Frauen Verhütung ohne Chemie zu ermöglichen. Zu diesem Zweck wurden Studien durchgeführt, die die Methode bestätigen. Wie gesagt, die Methode selbst ist äußerst aufwändig, und man braucht Disziplin wie einen  Bissen Brot. Jeden Tag ist die Basistemperatur (in der Scheide) zu messen, der Cervixschleim ist zu begutachten. Wenn man jedoch die erste Zeit sehr konsequent war, hat man danach einen guten Einblick ist die Funktionen seines Körpers und des Eisprungs. Ich denke, die symptothermale Methode ist eine gute Möglichkeit, Körperbewusstsein zu üben.

Es gibt eine ganze Menge toller, kostenloser  Apps für Android und auch für das iPhone! Jede Frau kann selbst ausprobieren, welche App für sie die beste ist.

 

Was grundsätzlich noch zu sagen ist: der Zyklus selbst folgt Regeln. Diese Regeln jedoch sind bei jeder Frau ein bisschen anders.

Ein schöner Überblick über den Zyklus gibt diese Grafik:

Ich kann nur jeder Frau raten, sich eine Zeitlang mit ihrem Körper zu beschäftigen, es muss ja nicht das einzige Thema sein. Aber seinen Eisprung zu spüren, auf seine Reaktionen zu achten und entsprechend reagieren zu können, das hat schon eine besondere Qualität.

Libido: verboten?

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Letztens in einer privaten Runde: beim Bundesheer wurde den zwangsverpflichteten Männern ein libidosenkendes bzw. -verhinderndes Mittel verabreicht. Durch einige kurze Recherchen fand ich soeben heraus, dass diese Geschichte als Mythos gilt. Jedenfalls hat sich das Gerücht bei vielen Männern durchgesetzt (es wurde mir von unterschiedlichen Seiten berichtet). Als ich vor einigen Monaten davon erstmals hörte, war die Reaktion eindeutig: allgemeine Empörung. Diesmal jedoch: ob es nicht eher praktisch ist (wäre), wenn man diese Gefühle im Moment (6-Bett-Zimmer: keine Privatsphäre und evtl. kein/e Freund/in zu Hause) eh nicht brauchen kann?

Bundesheer in Österreich

Auf der anderen Seite stand das Argument, dass die Libido in ihrer speziellen Ausprägungsform Teil der menschlichen Natur ist und diese zu beschneiden (vor allem womöglich ohne gesonderte Aufklärung?) gegen die Grundrechte (Unversehrtheit der Person), also gegen die Verfassung verstößt.

Und: diverse Medikamente gegen Bluthochdruck, Depressionen oder Schizophrenie haben als häufige Nebenwirkung Erektions-, Ejakulations- und Libidostörungen. Fast alle Menschen, die diese Medikamente einnehmen (müssen), um ihr gesundheitliches Wohl abzusichern, haben schon von dieser Wirkung gehört. Werden Sie aber von ihren Ärzten und Ärztinnen speziell danach gefragt?  Ich bin mir da leider nicht so sicher. Ich habe das selbst schon einige Male als Begleiterin erlebt. Wenn man die Symptome nicht von selbst anspricht, wird man nicht fokussiert gefragt. Das hat sicher mehrere Gründe. Ein Grund, warum Patienten diese Nebenwirkung nicht ansprechen, ist, weil sie nicht denken, dass es etwas mit dem Medikament zu tun haben könnte. Und natürlich sind sie auch beschämt deshalb.

Also alles in allem bleibt die Frage, die einer Diskussion würdig ist: steht einem die Libido manchmal im Weg? Gibt es Situationen, in denen geil zu sein, unangenehm wäre (jetzt mal von Warteschlangen im Supermarkt abgesehen) – ich meine längerfristige Situationen wie eben Erkrankungen, Bundesheer – und Gefängnisaufenthalte?

Und wenn das gerechtfertigt ist:gilt es dann auch für andere Situationen, in welchen das Thema Geilheit (also Sexualität grundsätzlich) nicht angebracht oder passend scheint? Ich spreche da vor allem alle anderen institutionalisierten Wohnformen an – besonders jene, die auf längere oder unbefristete Dauer angelegt sind: Wohngemeinschaften (mit Betreuung), Heime, Seniorenwohnhäuser, Kinderheime und eben auch Gefängnisse und Psychiatrien. Gibt es besondere Zielgruppen?

Ich saß vor einigen Monaten in einem Gespräch in kleiner Runde, es ging um symbolische Kommunikation. Den Klienten und Klientinnen sollte die Hausordnung über die Kombination eines Bildes und kurzen  Sätzen (2 – 4 Worte) näher gebracht werden. Gegen Ende der Liste fand sich ein Quadrat, in welchem man zwei symbolisierte Menschen sah, die Sex miteinander hatten: es war durchgestrichen und daben stand: Sex bitte nur im Zimmer.