Typisch?

Standard

Wie viel wissen wir eigentlich von den Menschen, die als „schwul“ oder „lesbisch“ oder auch „bisexuell“ bezeichnet werden? Jede und jeder hat damit einen eigenen Umgang, und sei er noch so problematisch. Es gibt eine Art gesamtgesellschaftliche Übereinkunft, dass „die da“ ja machen können, was sie wollen – allerdings bitte im eigenen Bett (aha! Homosexualität ist nur was für’s Bett …!) und in den „eigenen vier Wänden“. Einige Menschen würden vielleicht noch hinzufügen, dass es Rechte für Homosexuelle geben soll oder muss und wieder einige weniger würden diese Rechte auch aktiv einfordern. So ist also Homo- oder Bisexualität zu einem politischen Thema geworden, das keiner weiteren Betrachtung als der durch die juristische Brille bedarf.

Oder nein – es wurde zu einem politischen Thema degradiert, denn was nicht gern gesehen oder gehört wird, ist: von der heterosexuellen Norm abweichende sexuelle oder andere Beziehungen werden gern oder oft ausgeblendet – „net amoi ignorieren“ oder so ähnlich. Diese Vorgehensweise (und niemand möchte sagen, dass es sich dabei um eine bewusste Vorgehensweise handelt!) hat sogar einen Namen: Heteronormativität und sie ist viel, viel weiter verbreitet als die bewusste Anerkennung von unterschiedlichen L(i)ebensweisen.

Man könnte jetzt sagen, es gibt einige unterschiedliche Weisen, Homo- und Bisexualität (oder jeder anderen Form von Sexualität) zu betrachten:

  1. Ignorieren (also bewusstes „nicht wahrnehmen“)
  2. Schwul ist exotisch – also der Fokus auf das Außergewöhnliche, auf Events wie den Life Ball oder die Regenbogenparade u.ä.
  3. Jede Art von Sexualität ist ok, solang  Erwachsene daran beteiligt sind und niemand gezwungen wird.
  4. Sexualität ist Politik. Für die Rechte von Homosexuellen, Bisexuellen und deren Kinder (vgl. „Regenbogenfamilien“) müssen alle kämpfen, nicht nur die Betroffenen selbst.
  5. Homosexualität ist ekelhaft und muss bekämpft werden, notfalls aus einem religiösen oder biologistischen bzw. auch ideologischen Motiv heraus (vgl. Homophobie)

Diese Liste kann man fast beliebig lange fortsetzen!

Auf welcher Seite stehen die Vorurteile, die Bilder, die Klischees? Man müsste fast sagen: auf jeder Seite – es gibt keine Betrachtungsweise ohne Klischees oder Stereotypen, ohne Vorurteile und Meinungen. Sogar Betroffene selbst haben eindeutige Bilder in sich, anhand derer sie die „homosexuelle“ und die „heterosexuelle“ Welt einteilen. Und ein Schritt weiter: es gibt kaum Menschen ohne Vorurteile!

Und deswegen fallen Klischees jedem von uns ein. Dass eine Lesbe ein dickes Mannsweib mit Maschinen-Haarschnitt ist, sie keinen Mann abgekriegt hat, sie an Penisneid leidet, sich schlecht kleidet, Bier trinkt und Fußball spielt. Dass sie eine langjährige, von Eifersucht geprägte Beziehung ohne Sex führt. Überhaupt ist sie ein männerhassendes, feministisches Monster, sehr „öko“ oder „eso“. Dass ein Schwuler hübsch und gepflegt ist, ein bisschen weibisch vielleicht, aber auf jeden Fall promisk und oberflächlich, also ein verhindertes Mädchen. Er tanzt die ganze Nacht mit unterschiedlichen Männern, auf Droge vielleicht, aber auf jeden Fall mit Poppers in der Nase, Sex hat er dann im Darkroom und das ohne Kondom, weswegen alle Schwulen AIDS haben. Mit der hohen Stimme, dem tuntigen Auftreten und der geschraubten Ausdrucksweise ist der Paradeschwule also perfekt.

Von den Vorurteilen über Bisexuelle gibt es auch genug: meist eine Frau, die nymphoman ist, untreu und gut aussehend, dass es nicht um Liebe, sondern um Sex geht. Dass es demnach bei Bisexuellen keine festen Bindungen gibt, die Geschlechtskrankheiten also Hochzeit feiern. Natürlich können sie sich nicht zwischen den Geschlechtern entscheiden, weswegen sie sich einbilden, in Menschen beider Geschlechter verliebt sein zu können – „in den Menschen und nicht in das Geschlechtsorgan!“.

Klischee??

Was bleibt also übrig, das alles mit Humor zu nehmen?

Oder ist das „mit Humor nehmen“ auch schon wieder falsch, weil es Vorurteile und Klischees bedient und vielleicht sogar untermauert?

Nur eines ist fix: wir sollten nie aufhören, die Klischeebilder, die wir in uns haben, zu hinterfragen. Nicht nur im Hinblick darauf, was davon in uns verhaftet in Form eines Vorurteils ist, sondern auch Witze, die vielleicht ins Respektlose abdriften und mit „Schmäh“ nicht mehr zu erklären oder wegzuwischen sind. Wenn Witze oder Vorurteile zu handfesten Diskriminierungen werden, dann ist es Zeit, einzugreifen. Das betrifft alle Arten von Vorurteilen gegen alle Minderheiten, nicht nur gegen homo-, trans- und bisexuelle Menschen.

Wir sprechen auch in unseren Workshops über Homosexualität und Klischees. Komm einfach vorbei, du bist herzlich willkommen!

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