Archiv für den Monat August 2011

Die Attraktivität der Gleichgeschlechtlichkeit

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oder: was ist eigentlich homosexuell?

Ausgelutschtes Thema? Kommt wohl darauf an, wen man fragt. Als es mal einen Workshop mit eben diesem Titel gab, hatten wir Rückmeldungen à la „geht mich nix an, so bin ich nicht“ oder „nein danke, kein Interesse“ und es fühlte sich nicht an wie wenn jemand nicht über das Brotbacken sprechen will. Ist das ein seltsamer Vergleich? Ja, mag sein. Trotzdem – was zu sagen ist: es gab immer und gibt noch immer Ressentiments gegen dieses Thema, gegen das Sprechen darüber und das Nachdenken: wie viel Homosexualität ist in mir?

Die gar nicht soo graue Theorie sagt: in jeder Frau, in jedem Mann ist ein Stück lesbisch oder schwul. Diese Theorie basiert auf langwierigen Befragungen tausender Menschen in den 40er und 50er-Jahren. Die meisten wissen jetzt schon, von wem ich spreche: Alfred Kinsey bzw. den Kinsey-Reports, veröffentlicht 1948 und 1953. Er hat eine Skala entwickelt, simpel und für jeden verständlich:

von Alfred Kinsey erstellte Skala (ab 1941)

Zwischen den Punkten 1 und 5 sind Anteile von Hetero- wie von Homosexualität (andere würden vielleicht „Bisexualität“ sagen) vorhanden. Es gibt also schon Menschen, die sich nicht zum eigenen oder zum anderen Geschlecht hingezogen fühlen, aber der Großteil hat Emotionen und sexuelle Anziehungen für Menschen des eigenen und des anderen Geschlechts empfunden oder tut das noch.

Was also ist homosexuell? In der Sexualpädagogik gibt es eine Art Konsens, der lautet: als lesbisch oder schwul bezeichnet man/sich eine Person, die überwiegend in Menschen des eigenen Geschlechts verliebt ist UND sexuelle Beziehungen zu Personen des eigenen Geschlechts pflegt, also generell eine romantische Beziehung anstrebt. Und Teile einer Beziehung sind, wenn man es aus den derzeitig allgemein gültigen oder anerkannten Perspektiven betrachtet, Liebe, sexuelle Anziehung und Erfüllung, Zukunftswünsche wie gemeinsam Altwerden, eventuell Familiengründung mit Haus, Hund, Kind. Alles in allem also eher traditionell.

Es bleibt so viel Platz für Auseinandersetzung, dazu gibt es auch weiterführende Artikel in der nächsten Zeit!

Wir sprechen auch in unseren Workshops über Homosexualität, schau einfach mal vorbei, wenn dich das Thema interessiert!

Menschliche Sexualität

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Wen fasziniert sie nicht?

Nicht nur, dass sie uns überhaupt erst ins Leben gestoßen hat, sie beschäftigt uns auch vom ersten Tag (ja, auch schon im Bauch!) bis zum letzten Tag unserer Existenz.

Menschen an sich sind sexuelle Wesen, jedoch nicht wie man dies vielleicht über Tiere sagen würde, die rein von Instinkt geleitet ihren Dienst an der biologischen Verpflichtung verrichten – obwohl es auch Tiere gibt, die Spaß am Sex haben – sondern wir tun viel, viel mehr. Viel mehr! Wir verwenden sie regelrecht, für uns und für andere. Für ein höheres Ziel oder die Gesellschaft, in der wir tatsächlich leben oder leben möchten. Und gewissermaßen missbrauchen wir diese Sache (DIE Sache) für all unsere Zwecke. Der Zweck? Wo ist also der Zweck in der menschlichen Sexualität?

Die Antwort wird, je nachdem wen man fragt, sehr unterschiedlich ausfallen. Ein Mensch, der nach religiösen Regeln (welcher Art auch immer) lebt, wird vermutlich Fortpflanzung als ersten Punkt nennen. Und der zweite wäre vielleicht so etwas wie „das gehört in eine Ehe/Beziehung“. Die allermeisten Menschen sagen dann eventuell dazu, dass eine Beziehung monogam ist, man also nur mit dem eigenen Partner sexuelle Intimität austauscht. Einige würden auch den Punkt „emotionale Bindung“ hinzufügen, wobei nicht ganz klar ist, ob Sexualität zwischen PartnerInnen die Bindung vertieft, erst begründet oder ausdrückt.

Dann könnte man einen „Jugendlichen“ (unter Anführungszeichen, denn diese Gruppe gibt’s ja nicht) fragen und er würde auch etwas in der Richtung von monogamer Beziehung (oder einigen monogamen Beziehungen, auch „serielle Monogamie“ genannt) sagen (vgl. „Partnerschaft: Das ewige Ideal“; letzter Absatz auf Seite 1) und dazu noch etwas wie „Spaß“.

Die Frage nach dem Zweck führt automatisch zur Diskussion, was Sexualität eigentlich ist. Sie muss ja quasi auftauchen, wenn man die unterschiedlichen Antworten betrachtet (und natürlich ist es kaum möglich, alle Möglichkeiten einzurechnen oder aufzuzählen, denn so unterschiedlich die Menschen sind, so unterschiedlich sind ihre Einstellungen und Wünsche und Träume in Partnerschaften und anderen sexuellen Beziehungen). Denn wenn nicht allgemeingültig geklärt ist, wovon wir überhaupt reden, wie kann dann die Frage nach dem Zweck überhaupt gestellt werden?

Was also ist Sexualität?

Wenn man eine seriöse Quelle befragt, in diesem Fall die Deutsche Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, lautet die Antwort: „Sexualität ist ein existentielles Grundbedürfnis des Menschen und ein zentraler Bestandteil seiner Identität und Persönlichkeitsentwicklung. Sexualität umfasst sowohl biologische als auch psychosoziale und emotionale Tatbestände und Vorgänge. Die Ausgestaltung von Sexualität deckt ein breites Spektrum von positiven bis zu negativen Aspekten ab, von Zärtlichkeit, Geborgenheit, Lustempfinden, Befriedigung, bis hin zu Gewaltanwendung und Machtausübung. Menschen leben und erleben Sexualität unterschiedlich. Sie ist ein wichtiges Element der individuellen Lebensweise.“ (vgl. Rahmenkonzept zur Sexualaufklärung der BZgA in Abstimmung mit den Bundesländern; Punkt 1)

Haben wir jetzt die Antwort? Vermutlich nicht. Jeder Mensch beantwortet die Frage, was Sexualität ist, individuell und subjektiv.

Sogar über die Bereiche, die in einem Blog oder einem Workshop behandelt oder besprochen werden sollen, gibt es höchst unterschiedliche Meinungen, die aufgrund ideologischer und religiöser Grenzen zu teils gewalttätigen Auseinandersetzungen geführt hat und dies vermutlich auch immer tun wird. Viele, vor allem Eltern (noch so eine Gruppe, die keine ist), würden wahrscheinlich Aufklärung oder Verhütung nennen. Denn was, wenn nicht ein Konvolut an Informationen fehlt den Menschen? Oder lieber über Minderheiten? Also eigene Workshops und eigene Blogs und eigene Bücher über Homosexualität und andere sexuelle Orientierungen oder Menschen mit Behinderungen? Sollen wir über Gesundheit sprechen? Oder lieber von hinten aufzäumen: über Krankheiten? Über Enthaltsamkeit als Schutz vor Erkrankungen, ungewollter Schwangerschaft und Sittenverfall?

Wie wäre es zur Abwechslung, wenn man über die Dinge spräche, die auch von Interesse sind: alle! Es gibt keinen Teilbereich von Sexualität, der nicht besprechbar ist oder es sein sollte.

Und weil das Thema so groß, der Bereich so riesig und unüberschaubar ist, deswegen wollen wir uns mit den einzelnen Aspekten der menschlichen Sexualität beschäftigen.

Darum also dieser Blog. Und wenn jemand eine Idee hat, worüber es sich zu recherchieren und schreiben lohnt oder auch nur eine Frage oder eine Beschwerde, Anregung oder irgendeine andere Form von Input hat – immer her damit!